Ghiggia – guter Abgang

Alcides Edgardo Ghiggia in Aktion.
Alcides Edgardo Ghiggia in Aktion.
Just am 65 Jahrestag des Maracanazo verstarb der uruguayische WM-Siegtorschütze Alcides Edgardo Ghiggia, 88-jährig an einem Herzinfarkt.
Der Ausdruck, “Maracanaço” (portug.) bzw. “Maracanazo” – bedeutet so viel wie „Der Schock von Maracanã” – im entscheiden Spiel der WM 1950 unterlag Brasilien dem kleinen Nachbarn Uruguay mit 1:2. Im Fußball Slang steht es auch für den Sieg eines Underdogs gegen einen großen Gegner.

Toooor Uruguay! – Schweigen

In der 79 Minute rief der Radioreporter Nelson Rodriguez, der das Spiel für Radio Globo kommentierte, „GOOOOL do Uruguay“. Ungläubig fragend wiederholter er: „Gol do Uruguay?“ Und antwortete sich selber: „Gol do Uruguay!“ Noch sechsmal hintereinander sprach er diese drei Worte, jedes Mal mit einer anderen Betonung – von Überraschung, über Resignation hin zum Schock.

„Alles war vorgesehen, außer ein Sieg von Uruguay“, schrieb Fifa-Präsident Jules Rimet. Den Gastgebern hätte ein Unentschieden gereicht, aber 200.000 Zuschauer forderten ein Schützenfest. Spät, aber wie erwartet, ging Brasilien zu Beginn der zweiten Halbzeit durch Friaca in Führung. In der 66. Minute glich dann Schiaffino aus. Elf Minuten vor Schluss überwand der flinke Uruguayer Ghiggia den schwarzen Keeper Barbosa mit einem Schuss ins kurze Eck zum 1:2-Endstand.

Es war „das tosendste Schweigen in der Geschichte des Fußballs“, schrieb der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano. Siegtorschütze Alcides Edgardo Ghiggia pflegt später zu sagen: “Lediglich drei Menschen haben das Maracanã zum Schweigen gebracht: Der Papst, Frank Sinatra und ich.“

64 Jahre später bejubelten die Uruguayer im vollbesetzten Centenario Stadion in Montevideo das glorreiche Siegtor, das nie bejubelt worden war – Ehrengast Alcides Edgardo Ghiggia war sichtlich bewegt, ob der gelungen Hommage seiner Landsleute.

Chumasteiger – Der Schweini aus den Anden

Viele lässt die Bundesligafreiezeit in ein tiefes, schwarzes Loch fallen. Das muss nicht sein, denn es gibt viel guten Fußball zu gucken und dabei einiges zu entdecken. Wie etwa bei der Copa América, die gerade in Chile stattfindet.
Eines der interessantesten Teams derzeit sind die Bolivianer. Herausstechend, Alejandro Chumacero, vor allem wegen seiner frappierenden Ähnlichkeit mit Sebastian Schweinsteiger, der ihm bereits den Spitznamen „Chumasteiger“ eingebracht hat.

Am Freitag (1:30 Uhr) spielt Bolivien gegen Peru das Viertelfinale in Temuco.

P.S. Seit die Premier League mit Geld zu geschissen wird, sind die Ablösesummen in Europa schwindelerregend und bar jeder Vernunft. Laut Transfermarkt beläuft sich die Ablösesumme Alejandro Chumanceros auf 500.000 Tausend!!!
Von Verhältnismäßigkeit kann hier wahrlich keine Rede mehr sein.

Mario Götze hat ein Herz für Kinder und will endlich mal gemocht werden.

Das war ja rührend am Samstag im Fernsehen. Bei „Ein Herz für Kinder“ hat jemand Mario Götzes Schuh aus dem WM-Finale für 2 Millionen Euro ersteigert – und den dann auch noch dem Dortmunder Fußballmuseum gespendet. Ob die so scharf auf den Schuh von Mario Götze sind, weiß ich jetzt nicht. Die Trikots mit seinem Namen haben die meisten weggeschmissen. Er ist da ziemlich unbeliebt.
Ich glaube, dass stört ihn. Mario Götze will jetzt auch mal beliebt sein.
Ist schon komisch, dass ihn niemand so richtig gut leiden kann. Er hat schließlich das Siegestor bei der WM geschossen. Aber die Leute lieben Schweinsteiger, weil der bis aufs Blut gekämpft hat und Manuel Neuer, weil der so ein toller Torwart ist und Per Mertesacker, weil der dem Reporter vom ZDF so schön die Meinung gesagt hat und Miro Klose und Poldi sowieso. Aber Mario Götze?
Ich glaube, das liegt daran, dass der immer so muffelig und abweisend wirkt und die Leute nicht richtig anguckt, wenn er mal was gefragt wird. Das wirkt schon so ein bisschen von oben herab – dabei ist er gar nicht so groß. Aber vielleicht ist er bloß schüchtern?
Der Mario Götze erinnert mich ja immer an den Sohn von Dr. Königstein aus der Straße, in der meine Schwiegermutter wohnt. Viele Freunde hatte der Jonas ja nie. Aber er war schlau – in der Schule immer der beste. Einser-Abi, dann Studium in England und mit 23 schon bei einer großen Arzneimittel-Firma. Und da auch gleich der Überflieger. Aber eben nicht nett. Muffelig zu seinen Eltern, unfreundlich zu den Leuten aus der Praxis, und er guckt die Leute beim Reden nie an. Das weiß ich alles von der Tochter von unserer Nachbarin, die ist Sprechstundenhilfe bei Dr. Königstein.
Aber dann hat seine Firma dafür gesorgt, dass der Jonas mal Nett-sein lernt. Das machen die bei den großen Firmen, die wollen, dass ihre Angestellten sich für wohltätige Zwecke engagieren, weil das gut ankommt beim Kunden. Der Jonas musste also in Afrika in einem Kinderdorf arbeiten. Davon hängen jetzt ganz viele Fotos in der Praxis von seinem Vater. Ob der Jonas jetzt nett ist, weiß ich nicht, er wohnt mittlerweile in München. Die Patienten von seinem Vater sind aber begeistert von den schönen Fotos.
Und das ist mir wieder eingefallen, als ich den Mario Götze mit den Kindern gesehen habe. Vielleicht haben da ja auch die Berater von Bayern München gesagt, so Mario, Du sollst jetzt auch mal nett wirken, da spendest Du mal Deinen Schuh für die Bildzeitung! Dann bist Du schön auf dem Titelbild mit vielen Kindern und die Leute mögen Dich und kaufen noch mehr Trikots von Bayern München.
Der Andi sagt, dass das Quatsch ist, weil die Bayern ja adidas-Sachen anhaben und Götzes WM- Schuh von Nike ist, also von der Konkurrenz.
Vielleicht hat ja auch ein Berater von Nike dafür gesorgt, dass das Firmenlogo auf dem Schuh ganz lange zur besten Sendezeit im Fernsehen zu sehen war und hat dem Mario Götze gleich die Zwei Millionen wieder überwiesen, die der Schuh gebracht hat.
Aber vielleicht will Mario Götze ja auch nur nett sein und gemocht werden.

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