Michael Buselmeier
Die Helden gehen vorzeitig
Die Helden gehen vorzeitig, unter Tränen, oft angebrannt,
ohne Abschiedsspiel, mit zerfetzten Sehnen und einer Invalidenrente,
wenn sie Glück haben, von einem betrunkenen Zeitungsschreiber
beklagt. Vorgestern erst Bernd Schuster, 38, blonder Engel
über Madrid/Barcelona, drückte wochenlang im staubigen Mexiko
die Bank; Uli Stein, 42, Torwartlegende, fängt auf der Bielefelder
Alm Fliegen und verprügelt Kritiker in einem mafiosen Lokal;
Uwe Bein, 37, schlägt seine tödlichen Pässe beim VFB Gießen
in der Oberliga… Doch wo bitte steckt Manni Burgsmüller, wo
Manni Kaltz und wo Schädel-Harry, dem 1980 beim Pokalspiel
gegen Mönchengladbach das Kreuzband riss? Im Sportteil der Rundschau
vom Donnerstag Rudi Bommer, 39, Denkmal der Eintracht
und eiserner Recke gegen den Abstieg in die Regionalliga -
ratlos, die Arme ausgebreitet, vor leeren Rängen,
in PUMA-Schuhen, MITSUBISHI MOTORS auf der Adler-Brust:
“Was soll ich hier noch”, wenn ich mich
45 Minuten lang warmlaufen darf und dann nicht
eingewechselt werde unter diese verdrossenen Balltreter
und Grätscher, die übrig geblieben sind nach den kühnen
Tagen unseres brasilianischen Aufbruchs.
(Gefunden in: Jahrbuch der Lyrik 98/99, C.H.Beck)