Wo wart ihr ‘77 ?

Der allgemeine und kaum mehr zu bändigende RAF Erinnerungstaumel und Irrsinn ist in vollem Gange, da kann Football-Crazy natürlich nicht zurückstehen.
Aber Fußball und Terror, ist denn da was zu holen? RAF und Bundesliga, können wir mit dem Thema womöglich ein erstes Mal die “500″ besuchertechnisch toppen? - versuchen wir’s:
Eines muss man leider bei aller “klammheimlichen” Sympathie für wenigstens einige der durchgeknallten Weltverbesserungsautisten vorneweg schon sagen, mit Fußball hatten die wohl nicht viel am Hut. Man findet wenig zum Thema. Vielleicht sollte man aber doch den Herrn Boock mal hinzuziehen, der haut ja immer gerne was raus, wenn er die Gelegenheit bekommt…
ballaballa
…Hat die “Bande” in den 70er im finstern Versteck gehockt und Sportschau geguckt? War Baader, die alte Münchner Sau (bei dem kann man’s ja wagen, da kommt so schnell keiner mit dem Anwalt) für die Bayern (da sind wir lieber vorsichtig mit Schmähungen, die haben uns schon mal abmahnen lassen)?

Hat Gudrun Ensslin den Stuttgartern zugejubelt, vielleicht sogar in Stammheim sitzend, - dem eingeschmuggelten Radio lauschend? - brummte womöglich Kurt Brummes Stimme im Betonverlies?

Schlug Ulrike Meinhofs Herz für den schnieken HSV oder doch eher für den Kiez Club Pauli, der ja damals noch ein echter Ludentreff war und nicht der Tummelplatz von Linksspießern, die eingeschnappt sind, wenn man ihr Astra Bier verhöhnt.

…und Jan Karl Raspe, hielt der es mit dem kapitalistischen Bunkenverein Hertha, der heute immerhin den “Terroranwalt” (Bild-Zeitung) Schily zum Fan hat oder interessierte sich Raspe konsequent, wie er ja offensichtlich war, eher für die sozialistische Oberliga und feuerte wenigsten inwendig den BFC Dynamo an, dessen Zeit noch kommen sollte, - 76, 77, 78 war ja die starke Phase des Vornamensvetters aus Dresden.

So ganz unglaublich wäre das ja nun doch irgendwie nicht, nach Allem was nun so an Tollheiten zu hören ist, von selbst beauftragten Chronisten, - sehr schön z.B. Stefan “Herrenreiter” Aust: “Baader hat versucht, mich zu ermorden” …”Ich bin durch einen Hinterausgang nachts entkommen” haha, welcher Depp hat denn da vergessen die Tür zu verriegeln, möchte man da fast sagen.

Vielleicht interessierten sich die Damen und Herren Terroristen aber doch eher für den Schießsport, Zeuge Rühmkorf lässt da Arges vermuten in seinem deutungsschweren SZ Interview : “Wir alle spielten gern mit Waffen”
Das wäre dann allerdings nicht mehr unser Metier.

sexy Fans
“Terroranwalt” Schily und “Überläufer” Thierse beim Hertha gucken

Drollig übrigens (und das kann eze verbürgen, denn er war dabei und will jetzt auch mal Zeitzeuge sein), ein mit heutigem Abstand erstaunliches Zeichen der damals doch ziemlich weit verbreiteten Abneigung gegen den “Schweinestaat”. Kam der VFB Stuttgart zu Besuch, war es in den 70ern Usus die lieben Gäste mit dem heute noch gebräuchlichen Ruf und Antwort Singsang zu empfangen, der wurde dann damals von folgenden Worten getragen: “Stuuttgaart - Staaammheim”
Erinnerlich ist dagegen nicht, dass die zu jener Zeit populäre Demo-Parole “Buback, Ponto, Schleyer - der nächste ist ein Bayer!” bei Gastspielen der Münchner skandiert wurde, obwohl das doch ganz gut gepasst hätte.

Der letzte Bundesligaspieltag den Baader, Ensslin und Raspe in Stammheim erleben durften, fand am Mittwochabend dem 12.10.1977 statt und brachte folgende Ergebnisse:

VfL Bochum 0:1 (0:0) 1. FC K’lautern
Eintracht Braunschweig 4:0 (2:0) Hamburger SV
SV Werder Bremen 3:2 (1:1) Borussia M’gladbach
Fortuna Düsseldorf 0:0 (0:0) MSV Duisburg
1. FC Köln 3:1 (1:0) Hertha BSC Berlin
FC Bayern München 3:0 (2:0) Borussia Dortmund
1. FC Saarbrücken 2:1 (2:1) FC Schalke 04
FC St. Pauli 4:1 (1:1) TSV 1860 München
VfB Stuttgart 2:1 (0:1) Eintracht Frankfurt

Die Bayern legten dann ihr schlechtestes Bundesligajahr hin und beendeten die Saison als 12te.
Köln wurde Meister und Dortmunds Trainer hieß Rehagel bzw., nach dem 0:12 am letzten Spieltag gegen Gladbach, - Torhagel. St Pauli stieg als Tabellenletzter ab, deweil langsam der Punk auch in Deutschland ans Rollen kam. Keine ganz üble Zeit also.

(Nachtrag auf den Kommentar von jomalm)

Hi Johnny, meinst du das hier?

schleyer-stadion

Allerdings haben die Kölner eine knappe Woche nach der Entführung zuhause gegen Schalke verloren.

 

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Kommentare

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Ja, Köln. Ja, damals…

Aber, oho: Gibt es da einen Zusammenhang? Köln Meister, Schleyer, Müngersorf? Bitte mal recherchieren!

lieber Johnny,

spielst du darauf an, dass der Arbeitgeberführer quasi am Müngersdorfer Stadion entführt wurde? (Siehe Nachtrag im Text)
Die Kölner waren zunächst mal geschockt und verloren unmittelbar nach der Entführung zuhause gegen Schalke und dann in Hamburg, danach erholten sie sich, übernahmen am 13. (!) Spieltag knapp 2 Wochen nach dem Tod Schleyers die Tabellenführung und gaben sie bis zum Saisonende nicht mehr her.
War eine Last von ihnen genommen? Hatten die Terroristen der 2. Generation nach dem Schlammassel wieder mehr Zeit sich um andere “Dinge” zu kümmern?
Weitere Verschwörungstechnische Zusammenhänge konnten wir bisher nicht finden, wir bleiben dran.