Im Nachhinein, aus der sicheren Distanz der gewonnen Meisterschaft, kann man das, was die Bayern in dieser Saison geboten haben, nur als eine wirklich große Inszenierung betrachten. Sie verloren gegen Stuttgart, gegen Cottbus, gegen Frankfurt, gegen Unterhaching und gleich zweimal gegen Hansa Rostock. Und erlaubten sich noch ihre Witzchen dabei. "Wir sollten den Spielbetrieb einstellen", kommentierte Olli Kahn die Niederlage gegen Frankfurt. In Rostock beförderte er den Ball mit beiden Fäusten ins gegnerische Tor, kassierte die rote Karte und witzelte anschließend: "Ich dachte, der Torwart dürfe im Strafraum den Ball mit der Hand spielen." Die Liga hat sich gefreut - über die Schwäche der Bayern. Umsonst, wie wir jetzt wissen. In Wirklichkeit haben sich die Bayern nämlich bloß über die Liga lustig gemacht. Lustig gemacht haben sie sich auch über ihren Kaiser, der ihnen nach dem Champions League Spiel gegen Lyon bescheinigte: "Das war eine Uwe-Seeler-Traditions-Elf. Das war reiner Altherren-Fußball." Nix da, Franzl. Was diese Mannschaft bewirken kann, das zeigt sie immer, wenn es drauf ankommt. Der Rest scheint irgendwie unter ihrer Würde, wie bei einem Boxer, der zu einem Schaukampf antritt, wie bei Jan Ulrich, der nach der Tour de France bei "Rund um den Henninger Turm" eine kleine Spazierfahrt macht. Nach Lyon kam Manchester United - und wurde zweimal abgefertigt. Nach ManU kam Real Madrid, das Über-Team, die angeblich beste Vereinsmannschaft der Welt - und wurde zweimal abgefertigt. Legendär der in den Medien als Skandalspiel gewertete Auftritt der Bayern in Dortmund, das Spuck- und Tret-Team der Liga! Von nun an wird zurückgetreten, hieß die Devise. Ein Zeichen, das nicht nur die Dortmunder verstanden. Die Bayern verschafften sich den Respekt, den sie für den Rest der Saison brauchten. Die Niederlage gegen Schalke am folgenden Spieltag, als die Hälfte des Teams gesperrt war, war wohl einkalkuliert, aber dann haben sie alle niedergemacht, die ihnen in die Quere kamen. Und das auf eine schier unglaubliche Art: in der letzten Minute zu verlieren, wenn alles gelaufen scheint, ist die bitterste Strafe, die einem Team wiederfahren kann - eine regelrechte Demütigung. Und in Sachen Demütigung sind die Bayern inzwischen Spezialisten bis zum letzten Spieltag. Das macht sie nicht gerade sympathisch, aber dafür umso gefährlicher. Wie sagte doch Olli Kahn vor dem letzten Spiel in Hamburg: "Es gibt nichts Schöneres als von allen gehaßt zu werden." Und wie sagte doch Stefan Effenberg nach dem letzten Spiel (und dem Gewinn der Meisterschaft): "18 Mannschaften wollen Meister werden, und am Ende feiern immer die Bayern." Und das taten sie dann auch noch in der Champions League, die sie 4 Tage nach der Meisterschaft gewonnen haben - per Elfmeterschießen. The real (last minute) champions. Gerd Delle (25.5.2001) mailto: headquarter@football-crazy.de |
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