VfB Stuttgart - 1.FC Köln 0:3
Linsen mit Spätzle? Igitt!

Der 1. FC Köln hat das alles schon hinter sich. Das, was der VfB Stuttgart im Moment durchmacht und was aller Voraussicht nach direkt in den Abstieg aus der Königsklasse führen wird. 

Wenn das Präsidium durchsetzt ist mit unfähigen alten Klüngelbrüdern, die von vergangenen Zeiten träumen und jede noch so schwere Krise als ein vorübergehendes Ungemach interpretieren. 

Wenn einer 6 Mio. DM im Jahr verdient (Krassimir Balakov) und es sich leisten kann, einem der hoffnungsvollsten Trainer der Liga (Ralf Ragnick) beim Training von hinten Gegenstände in den Rücken zu werfen.

Wenn die Übungsleiter in panischer Eile gewechselt werden und faule Eier wie Felix Magath im warmen Nest landen.  

Wenn die Mannschaft im Kern aus Legionären besteht, die sich im Abstiegskampf längst nach anderen Vereinen umsehen, wo sie ihre Haut teuer verkaufen können. 

Wenn kein Ball mehr reingeht, obwohl die Chancen da sind, planlos herausgespielt in einer ideenlosen Vorwärtsbewegung, die vornehmlich durch Angst genährt wird.  

Wie gesagt, der FC hat es hinter sich. Genau so. Als er in der Saison seines 50jährigen Bestehens im Jahre 1998 aus der Bundesliga abgestiegen ist, verdient und letztendlich erlösend wie nach langer, schwerer Krankheit, legten die Geißböcke dieselbe Symptomatik an den Tag wie der VfB Stuttgart. In der Daimler-Benz-Metropole mobilisierten die lokalen Medien am 31. März 2001 noch einmal 32.000 Menschen in das Gottliebt-Eimer-Stadion, mit Slogans wie "Die 1. Bundesliga ohne den VfB Stuttgart ist wie Linsen ohne Spätzle." 

Nun, bei uns zuhause kombinieren wir die Linsen mit Kartoffeln, Sellerie, Möhren, Porree, Petersilie, Schnittlauch, Salz und Pfeffer und machen daraus - abgeschmeckt mit ein wenig Essig - eine leckere Suppe. Darin schwimmt eine knackige Mettwurst, wie wahrscheinlich in den meisten Regionen Deutschlands. Linsen mit Spätzle braucht im Grunde kein Mensch. Und die Schwaben müssen sich im 21. Jahrhundert ein paar neue Kreationen einfallen lassen. Die 2. Liga ist der genau richtige Ort, neue Mischungen auszuprobieren. 

Es kam so, wie es kommen musste. Der FC schießt in der 3. Minute ein skurriles Freistoßtor - der ruhende Ball wird von Markus Kreuz getreten, fliegt flach in den Strafraum auf den Fuß des hereingrätschenden Springer, von dort an die Hand eines Stuttgarters, um seinen vorbestimmten Kullerweg hinter die Torlinie einzuschlagen. Auf der Gegenseite knallt ein Freistoß des 6-Millionen-Mannes aus Bulgarien an die Latte, um von dort nicht ins Tor, sondern in den Strafraum zu prallen. Doch im Strafraum richtet der VfB rein gar nichts aus. Sean Dundee, Bertis Nationalstürmer? Ein Witz. 

Die FC-Tore waren schön. Konterfußball - wieder einmal. Weltklasse das 0:3, vorbereitet von Christian Timm, der drei Stuttgarter an der Strafraumgrenze mit perfekter Ballbehandlung und beinahe genialem Spielwitz gegeneinander ausspielt. Seine Flanke lässt Mr. Baranek viel Zeit und Raum, seinen ersten Treffer für den FC zu machen. Baranek lässt die Zeit verstreichen, der freie Raum ist auch dahin, als ein Abwehrspieler heran naht. Aber Baranek zeigt zum ersten Mal, dass er vielleicht doch 3 Mio. Wert sein kann. Er drischt den Ball punktgenau über 20 Meter auf den einzigen Punkt, der den Schuss in ein Tor verwandeln könnte: flach ins linke Eck. Ein sicherer Auswärtssieg ohne Lottner, Cichon und Sichone - also ohne drei absolute Leistungsträger. Das gibt Hoffnung für die nächste Saison. Und vielleicht ist sogar der UEFA-Cup-Platz drin.

Stuhlfauth am 2. April 2001

mailto: headquarter@football-crazy.de

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