Eintracht Zwietracht Vielfach

In der Blöd-Zeitung hieß es zum Saisonauftakt vollmundig, die Geheimwaffe der Eintracht sei die neue Bescheidenheit. Wahrlich, es war bescheiden, was die Eintracht bot. Dass die alte Dame ihren harmonischen Namen nicht mehr erwähnt wissen wollte, hatte mit dem Neuen zu tun. In der Bundesliga allgemein bekannt als der "Qualix; die Damen nannte sich flugs um im Zwietracht. Felix Magath gelang es auf seine professionelle Art, die neue Linie umzusetzen und die Mannschaft auf das bescheidene Maß zurecht zu stutzen. Sympathieträger wie Jan-Age Fjörtoft wurden hinaus kolportiert, laut Magath "das Beste für ihn, seinen neuen Verein und für die Weiterentwicklung bei Eintracht Frankfurt" und der verbleibende Restverstand in den Reihen der Spieler wurde gestutzt, wo er denn auftrat. (Wäre ja auch ein Unding, wenn die Spieler schlauer sein sollten als Trainer und Management).

Hingegen wirbelte in der Management Etage ein unglaublich aktiver Geist - gleich einem Derwisch fegt er durch die Hirnstübchen, greift bei jeder Umdrehung in die Kasse und in den rareren Momenten, wo aus der Ekstase erwacht wird, bleibt die Erinnerung bruchstückhaft. Da bekommen Amateurspieler Gehälter von 30 000 DM aufwärts, Amateur Trainer Lippert kriegt zwar nur 22 000 im Monat, aber verhungern tut er damit sicher nicht. Was man sich in der Vorstandetage gegenseitig überweist, ist nicht ganz so transparent, aber wer verlangt das bei einer AG schon, zumal so einer tollen wie der Frankfurter? Interimstrainer Rausch wird schon wissen, was er als technischer Direktor der Fußball AG verdient, was sein Job sein wird, ist hingegen unklar.

Die Bankenmetropole ist aber auch vorbildlich bei der Gehaltstruktur – in den letzen drei Jahren lag die durchschnittliche Gehaltssteigerung der Bank-Vorstände bei 40 Prozent, die der Deutschen Bank gar bei 250 Prozent – mehr legten nur die Aufsichtsräte der deutschen Bank zu, die ihr Handgeld um satte 360 Prozent steigerten auf 486 000 DM. Vorbildhaft, wie die Fußball AG versucht mit den Banken mitzuhalten – das Geld muss in Umlauf gehalten werden, aber sie scheinen zu vergessen, dass sie keine Bank sind, sondern nur eine AG, die eine sterbende Diva am Tropf hat. Da war der Abstieg in die 2.Liga längst vorprogrammiert und am Ende eine logische Angelegenheit.

In der Zweiten Liga sollte der Vorstand darauf verzichten, umrahmt von gekauften Bunnys Bescheidenheit zu predigen, sondern einfach bescheiden agieren. Das jedoch wird schwierig, da zu viele funktionslos Bestallte versuchen ein Häufchen von Spielern zu verwalten. Der Durchmarsch scheint daher wahrscheinlicher als der Wiederaufstieg.

Dona Mara 19.5.2001

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