Preetz for president

"Wir haben einfach zu wenig aufs Tor geschossen" - so Trainer Röbers Bilanz der letzten Saison. Nun, das hat die Hertha diese Saison grandios abgestellt, weswegen man sie inzwischen zu den Torfabriken rechnen kann. Dummerweise gilt das vorn wie hinten - ein Schicksal, das sie mit dem Hamburger SV teilen. Je länger die Vorrunde dauerte, desto öfter ging der Schuß nach hinten los, und deshalb redet man in den Medien schon von einem Knacks, den die Mannschaft seit mit dem unglücklichen Ausscheiden aus dem UEFA-Cup erlitten habe. 

In dieser kritischen Situation braucht die Hertha Männer (blöder Wortwitz, sorry) - Männer wie Michael Preetz, die ein schonungsloses Wort zu sprechen in der Lage sind wie dieses: "Wir haben zur Zeit einen negativen Lauf." Das nennt man Klartext, auch wenn der Rest der Mannschaft vermutlich immer noch der Meinung ist, daß man zwar vorwärts und rückwärts, aber keineswegs negativ laufen kann.

Vermutlich sind es diese Kommunikationsstörungen, diese Verständigungsschwierigkeiten, die der Hertha das Leben so schwer macht. "Bei uns ist zur Zeit jeder Treffer drin." Jawohl, sagt der Rest der Mannschaft, kann ja auch nicht anders sein. Aber sicher doch, meint Michael Preetz. Lattentreffer sind nicht drin, Knochentreffer auch nicht, Eiertreffer haben beim Gegner eine verheerende Wirkung, es gibt sogar Eckfahnentreffer, Schiedsrichtertreffer, Ellbogentreffer (verboten und ab sofort mit gelber Karte geahndet). All dieser Treffer gehören zum Spiel und entfalten dort unter Umständen positiven Wirkungen, auf keinen Fall aber Niederlagen.Nur die Drin-Treffer muß man vermeiden, jedenfalls diejenigen, die im eigenen Tor drin sind. Aber das muß man erst mal einem Darius Wosz klar machen. Oder einem Sebastian Deisler. Und das kann noch dauern. Es sei denn, man hat die Winterpause zu einem revolutionären Schritt genutzt: zum Kommunikationstraining. 

Denn Siegen lernen heißt von Michael Preetz lernen. Deshalb wandert der Gute auch nach Ende seiner Karriere postwendend in den Vorstand. (Und nicht Darius Wosz!)  

Gerd Delle (am 12.1.2001)

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