1.FC Köln  -  SC Freiburg   0:1
Der Boden der Realität

So sieht er also aus der Boden der Realität: nicht hart, sondern matschig-weich und braun wie der Rasen im Müngersdorfer Stadion zu Köln.

An einem kalten, verregneten Samstag um 17.30 Uhr krönt ein tristes Match eine öde Woche. Es musste ja so kommen. Diese Niederlage tut nicht besonders weh, sicher nicht. Aber wer den Sieg nicht wirklich will, der verliert halt mit 0:1 durch einen Foulelfmeter in der 85. Minute. Und wer hoch hinaus will, der fliegt halt gern mal auf die Schnauze.

Man muss es sich einmal vorstellen: Da wechselt die Stadt den Rasen aus und vergisst, eine neue Drainage einzubauen. Die Folge: Das Wasser kann nicht abfließen und staut sich im Geläuf. Nach zwei Spielen sind 250 000 DM für den neuen Belag über die Wupper. Weg. Fott. Ömesöns.

Und dann die Mannschaft. Von wegen Gladbacher Fohlen, oder was sich die übergeschnappte Lokalpresse so einfallen lässt, um dem Kölner Größenwahn Zucker zu geben. Die Mannschaft ist nur dann gut, wenn sie unterschätzt wird. Wenn der FC aber ein Spiel selbst gestalten soll, dann sind die elf Geißlein überfordert. Man decke Christian Timm konsequent, mache den Spielaufbau durch permanente kleine Fouls zunichte, greife im Mittelfeld konsequent an und warte ab. Schon ist Schluss mit lustig.

Was die Mannschaft kann: das Mittelfeld überbrücken und blitzschnell kontern. Wenn der Raum dafür vorhanden ist. Was die Mannschaft nicht beherrscht: das Mittelfeld gegen einen ballgewandten und sicheren Gegner beherrschen und das Spiel dominieren.

An so einem beschissenen Samstagnachmittag kann man durchaus gewalttätig werden. Nicht aus heißem Zorn, sondern aus einer Scheißegal-Laune. "Zick zack Zigeunerpack", als dieser Spruch in Block 23 direkt nach dem Abpfiff hinter mir ertönte, war ich zu allem bereit. Einer dieser hirnverbrannten Sechzehnjährigen stand da und wartete darauf, dass er am Kragen gepackt würde und mit seinem hohlen Schädel gegen einen der orangefarbenen Plastikstühle geklatscht würde. Ich ließ es bei einer Verwarnung bewenden. Glücklicherweise hielt der Vollschwachmat, diese Schande von einem FC-Fan, fortan seine Fresse. Ich hätte mich sonst vergessen. Und ich gehe nie, nie wieder in Block 23.

Ich warte auf ein neues Stadion und auf einen neuen Rasen. Bis dahin werde ich die Spiele entweder in der Südkurve oder in meiner Stammkneipe verfolgen. Am Tresen ist es jedenfalls warm und das Kölsch hilft, den Frust der vergangenen Woche, die in einer unnötigen Heimniederlage ihre logische Konsequenz findet, herunterzuspülen.

Stuhlfauth am Abend eines verregneten 5. Februar 2001

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