Der Konzern - 1.FC Köln  4:1
Der Kick-Star der Woche

Es hat nicht sollen sein. Als der FC in der 8. Minute durch einen Lottner-Elfer (Nowottny bringt Timm im Strafraum zu Fall) in Führung gegangen war, da machte das Leben als kölscher Fußballfreund noch Sinn. Ja, das war sehr schön ...

Und als der FC seinen Vorsprung herzhaft in die Pause verteidigt hatte, konnte man meinen, dass die folgenden Leitsätze an jenem Abend wieder Gültigkeit erhalten würden:

Die Gerechtigkeit wird siegen

Geld ist nicht alles

Wahre Schönheit kommt von innen

Der Konzern war ab der 30. Minute drückend überlegen. Stets wurde ein Geißbock im Mittelfeld überspielt, oft auch zwei, aber dann folgte immer dieser harmlose Pass diagonal in die Mitte, mit der Berti Vogts und seine Nationalmannschaft noch bei der WM 1998 die harmlose Schlichtheit des deutschen Fußball demonstriert hatten.

Nach dem 1:1 begannen die Dämme zu brechen. Das 2:1 war die logische Folge. Der FC konnte sich kaum noch den Ball erkämpfen und verlor ihn schon nach der ersten Anspielstation im Mittelfeld. Nichts ging mehr. Die entscheidende Situation: Der FC greift in der 77. Minute an. Endlich einmal einer der erhofften Konter. Ein verzweifelter Angriff. Timm und Arweladse rennen auf den Strafraum zu. Nur zwei Pillen gegen sie. Timm ist auf links am Ball. Er hat Platz. Er könnte Flanken, versucht es allein und will an der linken Strafraumecke seinen Gegenspieler aussteigen lassen. Vergebens. Der Gegenangriff bringt das 3:1.

Selten habe ich ein Spiel gesehen, in dem der FC so auseinander genommen wurde. Zé Roberto führte den braven Carsten Cullmann vor wie einen Verbandsliga-Kicker, den ein Albtraum in die Champions-League versetzt hat. Lucio, ein nomineller Verteidiger, spielt wie Gott. Ohne erkennbaren Gegenspieler dirigiert er im Mittelfeld, greift an, wandelt durch die Abwehr, wie durch Slalomstangen. Und er schießt auch noch Tore. Wunderschöne Tore. Man soll Lucio seine Freude ruhig gönnen. Der Junge weiß noch nicht, dass er bei der werbetreibenden GmbH eines Chemie-Konzerns gelandet ist. Er ahnt es höchstens. In zwei Jahren spielt er in Spanien oder Italien. Und nicht etwa für Celta Vigo oder Hellas Verona.

Ein Trost bleibt. Christian Timm erhielt nach dem Match die Auszeichnung für den besten Akteur des Spiels - den "Kick-Star" von Premiere World. Na, wenn das nichts ist. Die Preisverleihung nach dem Match - eine groteske Szene, die unser Goldjunge so verdächtig gut meisterte, dass er mir Angst zu machen beginnt. "Klar freue ich mich darüber, dass ich Kick-Star geworden bin", sagt er mit seinem Engelsgesicht. Fernsehen absurd. Die Krönung eines ekelhaften Abends.

Trotzdem bleibt Hoffnung. Drei Knallchargen plus Wolgang Rolff als Trainer-Gespann, kann das wirklich funktionieren? Heimspiele, die vom AK Stimmung durchgeplant werden wie die verordneten Feierlichkeiten in der untergegangenen DDR. Und dazu ein paar tausend Schwachmaten aus dem Bergischen Land, die sich gern im Licht eines Giftmischer-Konzerns sonnen und von den faulen Früchten des Erfolgs naschen. Nein, das kann auf Dauer keinen Bestand haben.

Das darf nicht sein.

Stuhlfauth am 12. Februar 2001

mailto: headquarter@football-crazy.de

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