Oh, mein Blutdruck, meine Nerven! Ein Fußballspiel braucht weder Tore noch große Klasse, um so zu sein, wie der Fan es erwartet: spannend nämlich. Und letztendlich erfolgreich. Immer wieder drischt Hertha während der letzten 30 Minuten den Ball nach vorn, und immer wieder kommen die Spree-Bayern weniger durch eigenes Geschick als durch Zufall und bloße Anwesenheit im Kölner Strafraum zum Schuss. Sie treffen Kölner Abwehrspieler, den Torhüter, das Aussennetz, die Bande, aber sie treffen bis zum Schluss nicht ins Ziel. "Oh Mamma, mach, dass alles gut wird!" Manchmal möchte ich mich wie ein Kleinkind in die Arme einer höheren, mir wohlgesonnenen Macht werfen. Wir FC-Fans kennen dieses Gefühl nun zur Genüge. So ähnlich ging es gegen den Schääl-Sick-Konzern (in die Hose) und gegen Bayern (gerade mal gut). Diesmal - nach 93 Minuten und dem Schlusspfiff - war die Abwehrschlacht von Erfolg gekrönt. Allerdings ist Hertha BSC Berlin auch nur eine mittelmäßige Mannschaft, vor der niemand Respekt haben sollte - zumal ohne Deisler und Beinlich, also ohne Spieler, die einen Ball zu passen verstehen. Der FC hatte es in der Hand, das Spiel durch Tore zu entscheiden. Carsten Cullmann machte nach einem gefühlvollen Lottner-Freistoß in der 48. Minute einen lehrbuchmäßigen Kopfballtreffer. Es folgten weitere vier Überchancen, die alle auf wunderschöne Weise per Konter durch Christian Timm auf der rechten Seite herausgespielt wurden. Seine Flanken in die Mitte landeten mustergültig mal auf dem Fuß von Kurth, von Springer oder Lottner. Und es wären wunderbare Treffer gewesen. So schnell und intelligent herausgespielt, dass die Freude eine doppelte gewesen wäre. Hätte, wäre, wenn ... Eine kurze Zwischenbilanz Der FC hat sich tatsächlich stabilisiert. Jener Glaube, der bekanntlich Berge versetzt, dürfte nach dem Winterurlaub und der Bayer-Klatsche wieder da sein: Der Glaube an die eigene Stärke und an ein Schicksal, das den Tüchtigen begünstigt. Ein Rhythmus scheint gefunden und eine neue Ordnung, die ein wenig Überraschung verspricht. Schließlich sind wir in die Rückrunde. Der Bonus des Neulings ist längst futsch. Mit Markus Kreuz hinter den Spitzen und Lottner hinter Kreuz hat das Mittelfeld endlich eine Geschlossenheit erlangt. Carsten Cullmann hat sich durch schlimme Spiele gebissen (gegen Bayer und Lautern), der Trainer hat an ihm festgehalten, jetzt macht Culli einen sichtbaren Sprung nach vorne. Und ganz unbemerkt spielt der FC mit einer Viererkette! Jawoll, moderner Fußball! Auch wenn es nicht danach aussieht. Es fehlt noch ein Pendant zu Christian Timm. Jemand, der auch auf der linken Seite die gegnerische Abwehr aufreißen könnte. Und es fehlen noch Abgeklärtheit und Routine. Aber das wird schon werden. Stuhlfauth am 5. März 2001 mailto: headquarter@football-crazy.de |
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