Der 10. Platz also ist es geworden. Bester Aufsteiger. 46 Punkte. Diese Fakten allein machen den Erfolg des 1. FC Köln nicht richtig deutlich, denn den 10. Platz haben die Geißböcke auch schon in ihren schlechtesten Zeiten - den 90er Jahren - oft genug erreicht. Wichtig war, dass das Team in der Rückrunde nie mehr in ernsthafte Abstiegssorgen gekommen ist und den Klassenerhalt schon lange vor dem finalen Kassensturz erreicht hatte. Der UEFA-Cup-Platz wäre durchaus drin gewesen, aber dafür fehlte es am Ende an der nötigen Kraft, an Routine und am Selbstvertrauen. Vermutlich ist es genau richtig so, wie es gekommen ist. Die Mannschaft kann nun ohne übergroßen Erfolgsdruck in ihre zweite Saison gehen. Die Weichen dafür sind bereits gestellt. Der FC bleibt seinem Konzept treu und setzt auf vielversprechende Talente. Beinahe besteht die Gefahr, dafür Beifall aus der falschen Ecke zu kassieren - von Rechts. Denn die Kölner haben sich bisher ausnahmslos mit deutschen Spielern verstärkt und steuern auf den zweifelhaften Nimbus der "deutschesten" aller Bundesligateams zu. Aber diese Deutung der Sachlage wäre schlichtweg idiotisch und würde weder Sankt Ewald noch den großartigen Kölner Fans entsprechen. Was hier versucht wird, ist schlichtweg eine Lehre aus den beschissenen 90er Jahren, als der Verein von unzähligen Legionären heimgesucht wurde, die von der idiotischen Vereinsführung mit dem Steuerparadies Belgien geködert wurden und zu jedem Training über 100 km mit dem Auto zurück legten. So kann keine Identifikation entstehen. Weder von den Spielern mit dem Verein, noch von den Fans mit den Spielern. Der 1. FC Köln will wirklich etwas aufbauen, das spürt man in jedem Detail. Eine junge hungrige Mannschaft soll es werden. Und die Größe von Ewald (und auch von Hannes Linßen und Albert Caspers) zeigt sich vor allem in der Ausstrahlung, die der Club mittlerweile auf hoffnungsvolle Talente ausübt. Früher wurden sie alle erst in der Fremde zu Stars, gingen ohne lange zu überlegen weg. Heute bleiben sie und ziehen andere nach sich. Gespannt sind die Fans vor allem auf Hanno Balitsch, von dem große Dinge berichtet werden. Mit Jörg Reeb wurde einer verpflichtet, der auf die 30 zugeht, den Zenit seiner Laufbahn bereits im Blick hat, aber noch auf den großen Durchbruch wartet. Auch das eine vielversprechende Konstellation. Marco Reich soll hinzu kommen, der noch jung ist und sich ebenfalls rehabilitieren will. Und mit Miroslav Baranek, Archil Arweladse und auch Pivo Pivaljevic stehen drei fähige Kicker kurz vor dem Durchbruch. Andere haben sich unter Ewald Lienen prächtig weiter entwickelt (Markus Pröll, Moses Sichone, Markus Kreuz, Christian Timm) und wieder andere, die wir eigentlich für bundesligauntauglich befunden haben, sind sogar wie Küken neu aus dem Ei geschlüpft (Thomas Chichon und Carsten Cullmann). Sorgen macht allein der Sympathieträger Dirk Lottner. Eine Agentur meldete, dass Horst Held möglicherweise vom Main an den Rhein wechseln könnte. Obwohl ich nicht daran glaube: Das wäre ein direkter Angriff auf Lottes Position als Spielgestalter. Aber genau da haperte es in der vergangenen Saison. Das System - hinten wie Unterhaching und vorne wie Weisweilers Fohlen - war in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass der FC kaum in der Lage war, das Spiel aus dem Mittelfeld zu kontrollieren und einen defensiven Gegner souverän auszuspielen. Das müssen sie in Zukunft lernen. Wenn es gelingt, dann liegt der UEFA-Cup-Platz nicht in allzu großer Ferne. Stuhlfauth am 23. Mai 2001 mailto: headquarter@football-crazy.de |
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