25. Spieltag 9.-11.3.2001

Bayer Leverkusen  - Werder Bremen   3:0
Da kannste nur noch staunen
Da hatten wir doch alle geglaubt, bei Bayer nehme das Berti-Chaos unaufhaltsam seinen Lauf. Und da hatten wir uns doch alle schon auf die 4. Niederlage in Folge gefreut und die heiße Frage diskutiert: wird Berti die Saison als "Headcoach" bei Bayer überleben? Und dann das. So kann man sich irren im Fußball. Es hat eben nicht jeder einen LUCIO-Fußballgott. Wir werden uns erst nach an diesen Typen aus Brasilien gewöhnen müssen in Deutschland. Der macht einfach schier unfaßbare Sachen. Spielt am Donnerstag für Brasilien im Mexiko, steigt am Samstag- morgen in Frankfurt aus dem Flugzeug, legt sich ins Hotelbett zum Schlafen, steht nachmittags bei Bayer im Team, schießt das 1:0 und ist der beste Mann auf dem Platz. Da kannste nur noch staunen. Für Werder, immerhin bislang die beste Mannschaft der Rückrunde, hätte es ein Debakel werden können, hätte Bayer statt Oliver Neuville einen weiteren Stürmer vorn spielen gehabt. Aus 6 sogenannten 100-%igen macht der Kerl ein einziges Tor. Das dritte Bayer-Tor steuerte Thomas Brdaric bei, der jetzt doch bei Berti Gnade gefunden hat. (Gerd Delle)
Bayern München  -  Energie Cottbus   2:0
Apathische Antriebslage
Wofür das Energie im Vereinsnamen steht, hatten die Lausitzer gänzlich aus dem Hirn gewischt und bei ihren süddeutschen Gastgebern schien diese Vokabel ebenfalls aus dem Sprachreservoir getilgt zu sein. Hatte es Föhn? Alle Energie rausgeblasen aus Beinen und Hirnen? Die Bayern mussten gewinnen, die Wetten standen auf Sieg, schlechte Quote – nix zu holen, und wie Steffan Effenberg blaffte, auch nix zu sagen. "Wir sind nicht in der Situation, wo wir etwas sagen können, aber wir werden wieder in die Situation kommen, wo wir wieder etwas sagen werden." Das 2:0 gegen Cottbus ist noch kein Grund, den Mund wieder voll zu nehmen. Zwar war das 1:0 durch Scholl ein sehenswerter Treffer, aber beim 2:0-Abstauber Effenbergs wurde klar, daß aus diesem Spiel die Luft bereits raus war. Schlaff daherlaufende Kicker, zäh anzuschauen wie Grafschafter Goldsaft, der vom Messer aufs Toast tropft. Die Bayern übernehmen die Tabellenspitze. Ein paar Allerwelts-Vokabeln fallen aus den Spitzmündern der Führungsriege, und die üblichen Floskeln quellen aus den Spielern hervor – daran sind natürlich seltenst die Spieler schuld, sondern die minderbegabten Fernsehfragefritzen, die sich selber viel zu wichtig nehmen und durch ihre greinblöden Rhetorikfragen ebensolche Antworten erhalten. Für die deutsche Meisterschaft kann ein so leidenschafsloses, langweiliges Gekicke durchaus reichen, aber im Spiel am kommenden Mittwoch gegen Arsenal scheint bei gleichbleibender "Klasse" eine Niederlage unabwendbar. (Dona Mara)

SC Freiburg  -  Borussia Dortmund   2:2
Tendiert leichter...
heißt es so schön im Börsenjargon, wenn der Dax mal wieder Prozentpunkte lässt und die Kurve rasant nach unten jagt, wie der Streif. Für die Share-HOLE-Value-Halter der Borussia-Aktie war das Spiel gar nicht so toll, eine 2:0 Führung muss einfach gehalten werden. Dies ist der Blickpunkt für die schlichten, ergebnisorientierten Gemüter, wer darüber hinaus jedoch noch Interesse am Spiel hatte, der wurde auf beste bedient. "Guten Fußball" habe es zu sehen gegeben, war zu hören und die visuelle Nachsicht gab dem Radiomoderator recht. Das 1:0 für Dortmund war wunderschön. Dedes Volley aus knapp 30 m ist eine Muss-Nominierung für das Tor des Monats. Nach Reinas 2:0 lag die Wahrscheinlichkeit, dass die Borussen das Spiel gewinnen bei 90 Prozent. Lediglich es fehlte ihnen der Glaube und so geschah es. Metzelder foulte Willi. Der Schirri zeigte prompt auf den Punkt und Sellimi verwandelte zum 2:1. "Adel verpflichtet", dieses Sprichwort bestätigte sich. Bei einem schnell ausgeführten Konter in der 58. Minute verwandelte Adel Sellimi zum 2:2 Endstand. (Dona Mara)
VfL Bochum  -  1.FC Köln  2:3
Klassenerhalt als Hypothese
Praktisch abgestiegen, Klassenerhalt nur noch theoretisch, so heißt es schon seit Spieltagen. Das wollen wir doch mal sehen, dachten sich wohl die Kicker vom VFL aus Bochum und schossen flugs zwei Tore (Buckley und Schindzielorz) gegen den 1.FC aus der „schönsten Stadt Deutschlands". Besser kann man gegen eine Kontermannschaft kaum loslegen. Als dann Sichone nach rüdem Foulspiel vom Platz flog war praktisch schon alles klar und ein Sieg der Kölner gewagte Theorie. Doch Anschlusstreffer und der nach Konzessionsentscheidung riechende Platzverweis gegen Drincic zerfetzten das dünne Nervenkostüm der Abstiegsgefährdeten. Fortan wurde so kleinmütig agiert, dass den nicht eben überzeugenden Kölnern das Toreschießen leicht gemacht wurde: 2:2 - Kreuz nach Zuspiel von Timm (61. Min) und 2:3 - Pivaljevic nach Einzelleistung (80. Min). Und selbst als nach zwei weiteren Platzverweisen (der tretende Springer und der pöbelnde Lottner) in der Schlussphase nur noch 8 Kölner auf dem Platz standen, waren die immer noch Herren der Lage. Traurig, traurig aber Hoffnung ankert weiter, denn als Hypothese ist der Nichtuntergang keine reine Theorie, sondern bleibt bei 7 Punkten Rückstand auf den 15ten Tabellenplatz praktisch weiterhin möglich...oder so. (Egon Zewe)

Die Kölsche Sicht der Dinge von unserem bewährten Geißbock- Korrespondenten Stuhlfauth 

mailto: headquarter@football-crazy.de

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Ergebnisse
Kaiserslautern - 1860   3:2

Hertha BSC - Rostock  1:0

VfL Bochum - 1. FC Köln  2:3

Wolfsburg - Unterhaching  6:1

HSV - VfB Stuttgart  2:2

Frankfurt - Schalke  0:0

Freiburg - Dortmund  2:2

Leverkusen - Bremen  3:1

Bayern - Cottbus  2:0

Oben&Unten
Oben spielt die Liga immer noch Bäumchen Wechsel Dich. Diesmal müssen die Dortmunder dran glauben, und Leverkusen ist plötzlich wieder im Rennen. Nur mit Schalke gehts bergab - inzwischen nur noch Platz 6. Vorsicht, sonst wird das nichts mit dem UEFA-Cup, immerhin müßt ihr im Pokalendspiel noch Union Berlin schlagen! Auf die da unten ist dagegen Verlaß was das Nicht-gewinnen angeht. Von Frankfurt bis Bochum hat diese Woche kein Team 3 Punkte geholt. Da freut sich Kölle, hier redet man jetzt endgültig nicht mehr vom Abstieg. 

 

Frankfurt - Schalke  0:0 
Nullen
Frankfurt – Schalke, ein im Verlauf für den Spieltag irgendwie typisches Spiel. Allerseits ist von einer guten, unterhaltsamen Begegnung mit gerechtem Ergebnis die Rede. Bei der gegenwärtigen Auswärtsschwäche war für Schalke nicht mit mehr zu rechnen und die Frankfurter dürften mit dem Pünktchen gegen eine „Spitzenmannschaft" zufrieden sein. Von ungefähr sind beide Vereine jetzt da, wo nüchterne Beobachter sie vor der Saison, was Spielweise und Tabellenplatz angeht, angesiedelt haben. Wie langweilig! (Egon Zewe)