Saison 99/00

 

The real champs

Nicht weil sie alle geschlagen haben, die sie schlagen mußten, sind die Bayern die wahren Champions der Saison. Nicht weil sie nach 15 Jahren erstmals wieder das Double in der Hand haben, Meisterschaft und Pokal. Es ist die Art und Weise, wie sie diese Saison bestritten haben, diese Großmütigkeit, mit der sie ihre Gegner behandelt haben, die ihnen wahre Größe verleiht.

Sie haben sich nicht wie Bayer Leverkusen frühzeitig und in feiger Kalkulation auf Kräftesparen aus dem für sie eigentlich unwichtigen Pokalwettbewerb verabschiedet, sie haben durchgehalten bis zum Schluß. Der Pokal war ein Geschenk an Ottmar Hitzfeld, der ihn noch nie gewonnen hatte, und wer an schnöde Revanchegelüste gegenüber Werder Bremen denkt, der läßt seiner böswilligen Fantasie freien Lauf. Was können die Bayern dafür, daß Bremen dieses Jahr so unglaublich schwach war? Außerdem: hätte Werder Bremen nicht auch mit einer Niederlage den UEFA-Cup erreicht, wer weiß, ob die Bayern ihnen nicht sogar den Vortritt gelassen hätten.

Bayern hat Real Madrid dreimal abgefertigt und ihnen dann doch großherzig den Einzug ins Champions League Finale überlassen. Es gehört sich einfach nicht, einen Traditionsverein wie Real Madrid zu demütigen. Sie haben Bayer Leverkusen zweimal geschlagen - und ihnen dann doch noch am Ende der Saison die Möglichkeit gegeben, die Meisterschaft zu gewinnen. Und was kann der FC Bayern dafür, wenn Leverkusen zu blöd ist, in Haching auch nur einen billigen Punkt mit nach Hause zu nehmen. Nein, es wäre wirklich zu viel verlangt gewesen, auch noch zuhause am letzten Spieltag gegen Bremen zu verlieren. Einmal abgesehen davon, daß das auf eine fast schon unmögliche Kraftanstrengung hinausgelaufen wäre.

Unumstrittener Held der Bayern-Saison war Jens Jeremies, dem der Fairness-Preis des deutschen Fußballs zusteht wie keinem anderen. Wie er in Madrid den Ball lässig mit dem Fuß ins eigene Tor schlenzte und damit Real vor eine Katastrophe bewahrte, hatte wirklich Stil. Und wie er im Spiel gegen die Löwen den Ball mit dem Kopf am verdutzten Olli Kahn vorbei ins eigene Tor beförderte, das offenbarte eine Eleganz, die man bis dato nur vom Franzl kannte. Daß er mit diesem einen Kopfball nicht nur Bayer Leverkusen neue Chancen eröffnete, sondern auch noch so nebenbei seinem Ex-Verein, den Löwen, den Platz für die Champions League Qualifikation sicherte, zeigt nur den strategischen Weitblick von Jens Jeremies.

Die wirklichen Verlierer der Saison dagegen kommen nicht aus Leverkusen, sondern aus Düsseldorf. Es sind Die Toten Hosen. "Die Toten Hosen gratulieren Bayern München", konnte man auf einem Transparent lesen, das sie übers Münchner Olympiastadion fliegen ließen. Das war wohl gedacht als zynische Geste zum Verlust der Meisterschaft. Dumm gelaufen, jetzt stehen sie auch noch als Umfaller und Opportunisten da. Beschwert Euch bei Christoph Daum, Jungs.

Gert Delle

mailto: headquarter@football-crazy.de

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Ausnahmsweise muß an dieser Stelle Campino und den Toten Hosen ernsthaft widersprochen werden. Es gibt keinerlei Grund mehr für böswillige Häme gegenüber dem FC Bayern München. Die Bayern sind die waren Champions. Diese neue Bescheidenheit, mit der sie die Saison bestritten haben, verleiht ihnen wahre Größe. Respekt! Unumstrittener Held der Bayern-Saison war Jens Jeremies, dem der Fairness-Preis des deutschen Fußballs zusteht wie keinem anderen.

Jens Jeremies hat sich mit seinen großartigen Eigentoren endgültig zum legitimen Nachfolger von Franz Beckenbauer emporgearbeitet.