Vor
mir an der Wand hängt die Tabelle des ersten Spieltages der Saison
99/00: „Aachen stürmt an die Spitze – Aufsteiger besiegt
Stuttgart 4:1". Schon damals ahnte ich, daß dies als
einmaliges Erlebnis wert wäre, aufgehoben zu werden, damit es einen
in schlechten Zeiten wärmen könnte.
Gewärmt werden mußte man nun am Sonntag auf dem Tivoli beim
Saisonstart eigentlich nicht, bei 30 Grad. Den Spielern schien es
auch zu warm, und so fielen sie reihenweise um, um sich die ein oder
andere Hitzepause zu verschaffen. Ständige Spielunter- brechungen
vor allem in der zweiten Halbzeit. Der Schiedsrichter hatte kein
Einsehen und zückte trotzdem eine Anzahl gelber Karten, fünf
alleine für die Mainzer Spieler. Willi Landgraf allerdings, wetter-
unabhängig übermotiviert wie seit eh und je, schrammte auf
Aachener Seite haarscharf am Platzverweis vorbei, wie seit eh und je
und wie bei jedem Wetter.
An der Motivation lag es insgesamt nicht, das schwache Spiel
beider Mannschaften. Mal wieder ein tivolitypisches Kampfspiel, bei
dem sich im Vergleich zur letzten Saison wenig verändert hat: bis
auf die ersten 20 Minuten, die halbwegs ansehnlichen Fußball
brachten, bekamen wir kein Kombinationsspiel, keine Spielkultur,
kein Spielkonzept zu sehen, dafür aber wieder lange Bälle nach
vorne ins Nichts, Hilflosigkeit und katastrophale Abwehrfehler –
und es graut mir davor, wieder eine ganze Saison lang nicht ohne
diese Vokabeln auszukommen. Gegen solch trübe Aussichten deshalb
hier noch ein Lichtblick: Der Neuling Goran Lozanowski kann Fußball
spielen. Und er kann Standardsituationen: Zum ersten Mal seit Jahren
durften wir Eckstöße sehen, bei denen man nicht die Augen Richtung
Himmel verdrehen und Eck-Stoßgebete an den Fußballgott schicken
mußte.
Vor mir liegt die Tabelle des ersten Spieltages der Saison
2001/2002. Alemannia Aachen auf Platz 17. Und es fröstelt mich ein
wenig. Trotz 30 Grad.
Reuter am 30.07.01