Das Ultimatum also sieht so aus: Eugen Hach muß
es gelingen, nach dem achten Spieltag einen Abstand von wenigstens
zwei Punkten zu den Abstiegsplätzen zu haben, und – schließlich
soll er sich nicht nur auf die Schwäche der anderen
Abstiegskandidaten verlassen dürfen – zusätzlich sieben Punkte
aus drei Spielen holen. Ansonsten ist er weg vom Fenster. Doch damit
nicht genug. Zwei Tage später äußerte sich der Vorstand
dahingehend, daß man den Trainer am liebsten sofort entlassen
würde. Dies allerdings ist zwar ein frommer – wenn auch
erstaunlich plötzlich aufgekommener –, aber leider unbezahlbarer
Wunsch. Da muß schon das Ablaufen des Ultimatums abgewartet werden,
denn der von Hach akzeptierte Vertrag sieht nach dem Nichterreichen
des Ziels freiwilligen Rücktritt mit einer Minimalabfindung vor.
3 ... 2 ... 1. Der Countdown läuft. Sieben
Punkte aus drei Spielen. Also - einmal null plus zwei mal drei,
Beinchen zählen und durch zwei teilen – eine Niederlage am
Sonntag gegen Mannheim hätte somit das Aus bedeutet. Nicht wenige
der immerhin über 11.000 Zuschauer sahen wohl der schönsten
Niederlage ihrer Fankarriere entgegen, und glaubt man den Aussagen
von Bay & Co., muß ein Mannheimer Sieg auch in ihrem –
finanziellen – Interesse gelegen haben. In der Süddeutschen hieß
es süffisant: „Vielleicht sollten die Aachener gleich Prämien
für den Gegner ausloben, um bei der Entlassung ihres Trainers
sparen zu können."
Sah man das Auftreten des SV Waldhof Mannheim,
schien diese These so weit gar nicht hergeholt. Während des
gesamten Spiels gelang Mannheim eigentlich nichts – außer
gelb-rote und rote Karten einzusammeln. Hellmut Krug, berühmter
AOK-Angestellter aus Gelsenkirchen und wahrscheinlich wegen der
Brisanz des Spiels zum Tivoli zitiert, zeigte davon drei Stück. Je
weniger Gegenspieler auf dem Platz waren, desto unsicherer spielte
Alemannia Aachen, und zum Schluß mußte man froh sein, das 1:0
über die Zeit gerettet zu haben. Ein 10:0 wäre angemessen gewesen.
Der Zorn des Publikums richtete sich zunächst
vor allem gegen den Vorstand. Mit Verlaub: Skurrile Ultimaten, über
die sich ganz Fußballdeutschland totlacht, sorgen nicht gerade für
mehr Sympathie. Am Ende des Spiels kippte die Stimmung noch einmal
und richtete sich jetzt auch gegen die Mannschaft, die auch
105-prozentige Chancen kläglich vergab. Mit Verlaub: Irgendwann ist
auch die treueste Fanseele einfach mal sauer.
3 ... 2 ... 1. Der Countdown läuft: vier Punkte
aus zwei Spielen. Eugen Hach, scheinbar von all dem unbeeindruckt,
sprach wie immer von einer tollen Leistung seiner Mannschaft.
Irgendwie ist dieser Mann ein Phänomen – mit dieser unglaublichen
Mischung aus Selbstüberzeugung, Verbissenheit und Trotz. Er gibt
einfach nicht auf. Und beinahe glaube ich jetzt, daß er es schafft,
das Ultimatum. Bis zum nächsten Mal. Und dann wieder: 3 ... 2 ...
1. Und noch einmal: 3 ... 2 ... 1. Und irgendwann ist Alemannia
Aachen in der Regionalliga. Oder in der ersten Bundesliga.
Reuter am 24.09.01