Alemannia Aachen - Waldhof Mannheim  1:0

DAS ULTIMATUM

 

Was sich Alemannia Aachen derzeit leistet, sorgt auch überregional für Erheiterung. Zu dem skurrilen Ultimatum des Vorstandes an Trainer Hach fiel Christoph Biermann in der Süddeutschen Zeitung allenfalls ein kräftiges „Alaaf" ein; Klaus Toppmöller soll - geradezu maßvoll - von „Humbug und Kinderkram" geredet haben. Ich würde vorschlagen, den nächsten Orden wider den tierischen Ernst an den Vorstand von Alemannia Aachen zu verleihen. Das Problem ist nur: die meinen das ernst. Tierisch ernst sogar.

Das Ultimatum also sieht so aus: Eugen Hach muß es gelingen, nach dem achten Spieltag einen Abstand von wenigstens zwei Punkten zu den Abstiegsplätzen zu haben, und – schließlich soll er sich nicht nur auf die Schwäche der anderen Abstiegskandidaten verlassen dürfen – zusätzlich sieben Punkte aus drei Spielen holen. Ansonsten ist er weg vom Fenster. Doch damit nicht genug. Zwei Tage später äußerte sich der Vorstand dahingehend, daß man den Trainer am liebsten sofort entlassen würde. Dies allerdings ist zwar ein frommer – wenn auch erstaunlich plötzlich aufgekommener –, aber leider unbezahlbarer Wunsch. Da muß schon das Ablaufen des Ultimatums abgewartet werden, denn der von Hach akzeptierte Vertrag sieht nach dem Nichterreichen des Ziels freiwilligen Rücktritt mit einer Minimalabfindung vor.

3 ... 2 ... 1. Der Countdown läuft. Sieben Punkte aus drei Spielen. Also - einmal null plus zwei mal drei, Beinchen zählen und durch zwei teilen – eine Niederlage am Sonntag gegen Mannheim hätte somit das Aus bedeutet. Nicht wenige der immerhin über 11.000 Zuschauer sahen wohl der schönsten Niederlage ihrer Fankarriere entgegen, und glaubt man den Aussagen von Bay & Co., muß ein Mannheimer Sieg auch in ihrem – finanziellen – Interesse gelegen haben. In der Süddeutschen hieß es süffisant: „Vielleicht sollten die Aachener gleich Prämien für den Gegner ausloben, um bei der Entlassung ihres Trainers sparen zu können."

Sah man das Auftreten des SV Waldhof Mannheim, schien diese These so weit gar nicht hergeholt. Während des gesamten Spiels gelang Mannheim eigentlich nichts – außer gelb-rote und rote Karten einzusammeln. Hellmut Krug, berühmter AOK-Angestellter aus Gelsenkirchen und wahrscheinlich wegen der Brisanz des Spiels zum Tivoli zitiert, zeigte davon drei Stück. Je weniger Gegenspieler auf dem Platz waren, desto unsicherer spielte Alemannia Aachen, und zum Schluß mußte man froh sein, das 1:0 über die Zeit gerettet zu haben. Ein 10:0 wäre angemessen gewesen.

Der Zorn des Publikums richtete sich zunächst vor allem gegen den Vorstand. Mit Verlaub: Skurrile Ultimaten, über die sich ganz Fußballdeutschland totlacht, sorgen nicht gerade für mehr Sympathie. Am Ende des Spiels kippte die Stimmung noch einmal und richtete sich jetzt auch gegen die Mannschaft, die auch 105-prozentige Chancen kläglich vergab. Mit Verlaub: Irgendwann ist auch die treueste Fanseele einfach mal sauer.

3 ... 2 ... 1. Der Countdown läuft: vier Punkte aus zwei Spielen. Eugen Hach, scheinbar von all dem unbeeindruckt, sprach wie immer von einer tollen Leistung seiner Mannschaft. Irgendwie ist dieser Mann ein Phänomen – mit dieser unglaublichen Mischung aus Selbstüberzeugung, Verbissenheit und Trotz. Er gibt einfach nicht auf. Und beinahe glaube ich jetzt, daß er es schafft, das Ultimatum. Bis zum nächsten Mal. Und dann wieder: 3 ... 2 ... 1. Und noch einmal: 3 ... 2 ... 1. Und irgendwann ist Alemannia Aachen in der Regionalliga. Oder in der ersten Bundesliga.

Reuter am 24.09.01