Ich geb’s zu: Der Verpflichtung des
sonnenbankgebräunten "Feuerwehrmanns" Jörg Berger stand
ich zunächst eher skeptisch gegenüber, schien er mir doch nicht
gerade die Identifikationsfigur zu sein, die zu dem speziellen
Charme eines Clubs wie Alemannia Aachen paßt. Ich nehme alles
zurück. Wenn ich weiterhin solche Spiele erleben darf wie am
Freitag abend gegen Arminia Bielefeld, soll Berger von mir aus in
Aachen Wurzeln schlagen, Ehrenmitglied der Städtischen Feuerwehr
oder König von Aachen werden.
Womit nicht gesagt sein soll, daß alles Gold
war, was die Mannschaft ablieferte. Zwar sahen wir in der ersten
Halbzeit eine starke Alemannia, die auch nach dem frühen Rückstand
nicht einknickte, die nicht nur Moral und Kampfkraft bewies, sondern
auch Fußball spielte, und die verdient mit einer 2:1-Führung in
die Pause ging. Aber in der zweiten Halbzeit geriet die Mannschaft
nach dem schnellen Bielefelder Ausgleich durch den starken Ansgar
Brinkmann wieder ganz schön ins Schlittern, wurde unsicher und
fahrig, Fehlpässe häuften sich. Dem Publikum stockte der Atem, zu
oft hatte man in den letzten Monaten solche Spielphasen der
Alemannia gesehen, die ein ums andere Mal im Debakel endeten.
Aber diesmal eben nicht. Der Kameruner Thierry
– in Aachen liebevoll "Dieter" genannt – Bayock, von
Eugen Hach in die Amateurelf verbannt, wurde zum Held des Tages. Auf
der rechten Außenbahn schnell und gefährlich, hatte er bereits das
2:1 erzielt, übrigens das 999. Aachener Tor in der zweiten Liga.
Dass ihm dann in der 84. Minute mit dem 1000. Tor noch der
Jubiläums- und Siegtreffer zum 3:2 gelang, stürzte den Tivoli in
einen kollektiven Freudentaumel. Fast 17.000 Zuschauer, von Anfang
an aus dem Häuschen, durften endlich wieder eine der legendären
Tivoli-Parties feiern. Zulange war ihnen das verwehrt geblieben, und
es war ein wenig wie Karneval nach einer doppelt langen Fastenzeit.
Humba täterä. Jörg Berger for (Karnevals-) Präsident.
Reuter am 28.10.01