Im Süden nichts Neues

Während in der Liga nach dem Motto: " Nicht kleckern, sondern klotzen", das Geld für neues "Spielermaterial" rausgehauen wird, bleiben die Freiburger gelassen und verlassen sich auf die Spieler, die da sind.

Dem Wink des einzigen, alleinigen Stenz der Fernsehlandschaft, dem der Rest zu Kreuze kriecht, weil die Kirche im Dorf bleiben muss, verweigert sich die Diva des Breisgaus. Sie spielt das geckenhafte Herausputzspielchen nicht mit. Schon im Vorfeld schallt es aus dem Kicker: "Von der Wirtschaftkraft haben die Breisgauer unter den 7-8 Topteams nichts verloren."

Für wahr nicht, sie sind nicht top. Sie sind keine Konkurrenz zu den Spitzenvereinen. In punkto vorauseilenden Gehorsam liegen die Freiburger weit abgeschlagen hintern den Musterschleimern Borussia und den notorischen Leverkusenern, die der ARD schon vor Saisonbeginn den Zutritt zum Stadion verweigerten. Zudem ist Freiburg meilenweit entfernt vom Grad der Kretinisierung, notwendig für das gerüttelte Maß an Selbstgefälligkeit, um medial erfolgreich rüberzukommen. In unangefochten luftleerer Höhe schwebt hier der Fußballklub aus München.

Volker Finke scheint der Systemtheorie Glauben zu schenken, wie sonst ist der zwischen Resignation und Augenzwinkern oszillierende Ausspruch zu verstehen, dass "dieses absolute Außenseitersein, diese sympathische Inkompetenz" einen auf Dauer "fix und fertig macht"?

Liegt es daran, dass im Fußball die Geschäftemacher das Zepter in der Hand halten? In ihrem Drang die Geschäftsprozesse kalkulierbar zu machen, nehmen sie Einfluss auf deren Bedingungen. Eines der simpelsten Mittel zur Beherrschung schiefer Köpfe ist eine griffige A-B-C-Formel, die alle Widersprüche, Subtilitäten und Nuancen ignoriert. Im Zuge der Simplifizierung schrumpft Fußball zum "weißen Riesen".

Fußball als Geschäft ist ein Luftgeschäft, und momentan wird viel zu viel Wind gemacht. Bayern und Borussia geben den Takt an, und alle rasen kopflos hinterdrein? Dass man auch mit anderen Methoden herausragende Ergebnisse erzielt, beweisen die Freiburger immer wieder aufs Neue.

Das vermeintliche Außenseitertum wird in den Medien weiterhin kultiviert, zeigt aber nur die alterswurmstichige V200ergreistheit der TV-Macher, die nicht mal mehr sehen wollen, was sie in Statistiken so alles erheben. Bester Torwart und bester Spieler im vergangen Jahr war die cholerische Blasebacke aus Bayern. Der war enorm laut, enorm selbstbewusst und enorm oft im Fernsehen zu sehen, nur richtig gut war er nicht: Gut war Richard Golz. Also einfach mal die Augen aufhalten und nicht alles glauben was aus den Medien kommt.
 
Dona Mara, 27.7.2001

mailto: headquarter@football-crazy.de

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