4. Spieltag 18.-19.8.01

Schalke  - Leverkusen   3:3
Postkoitale Depression
Schalke – Leverkusen. Seit das Pharma Lockmittel in die Liga gehievt wurde, ist diese Spielpaarung die vermeintlich schroff gegensätzlichste in der Liga. Hier der Traditionsclub mit allgemein gebilligter Herkunft, dort das Plastik Ensemble aus dem Kölner Retortenvorort. Beide haben sie jetzt eine Arena! Bayarena, Arena auf Schalke...die zweite überdies eine Art Pillenbox. Da deuteten sich Gemeinsamkeiten an, und genau betrachtet ist Schalke und sein Verein wenig anderen Ursprungs als die Werbetruppe vom Rhein. Aufgeblähtes Städtchen der Kohlenknechte, das mittels  der organisierten Förderung durch die wohltätigen Ausbeuter, nicht nur des schwarzen Grubengoldes, sondern auch der kickenden Belegschaft, zu nationalen Ruhm gekommen ist. Jetzt nennen sie ihr Stadion gleichfalls so geschwollen wie daneben Arena, was ja nichts anderes als Sand heißt . Will man damit das blutige Spektakel spanischer Stierkämpfe heraufbeschwören? Oder nur den eigenen Torjäger Ebbe ehren?  Auf dem Platz jedenfalls gingen die Spieler  gleich aufeinander los wie gereizte Büffel. Die Atmosphäre im Neubau ist so grandios wie die Angriffslust fördernd. Wenn sich erst eine Kultur der Anfeuerung bei den Fans entwickelt hat, kann das neue Heim den Schalkern zu so manchem Punkt verhelfen. Diesmal reichte es „nur“ zu einem sehr unterhaltsamen Spiel. Die Knappen führten schnell 2 : 0. Berauscht vom selbst inszenierten Getöse, träumte man auf den Rängen bereits vom Kantersieg und malte sich aus, zu welch außerordentlicher Heimstärke, die neue Stimmung führen werde. Doch leider,  schnell war man denn doch wieder auf dem Boden der, augenblicklich eher harten, sportlichen Realität. In der zweiten Hälfte kamen die zunächst wie paralysiert wirkenden Reklamekicker gut ins Spiel und gekonnt zum Ausgleich. Die Blauen machten währenddessen einen erstaunlich fertigen Eindruck. Als folgte dem frühen Höhepunkt eine Art postkoitale Depression. Da muss wohl noch gelernt werden, mit der neuen Hurrastimmung umzugehen und nicht zu früh alle Körnchen herzugeben, wie der Radsportexperte sagt, wenn sich jemand zu zeitig verausgabt. Freilich gelang noch mal die Führung durch einen spektakuläres Kopfballtor von Emile Mpenza, der den stärksten Eindruck auf dem Platz hinterließ. Indessen, es konnte abermals der Sack nicht zu gemacht werden, ein unnötiges Freistoßtor in letzter Minute kostete 2 Punkte und den ersten Saisonsieg. (Egon Zewe)  
Hansa Rostock - Borussia Dortmund  0:2
Dortmund unschlagbar (pt4)  
Friedhelm Funkel könnte jetzt sein Statement vom Spiel gegen Leverkusen wiederholen. Er könnte jetzt sagen, daß keineswegs eine Maßlose Enttäuschung entstehe, weil Hansa ja gegen einen überlegenen Gegner verloren habe. Was natürlich stimmt, denn Hansa hatte tatsächlich gegen die Borussia keine Chance. Matthias Sammer blickte wie immer skeptisch aus der Wäsche und verkündete, daß das, was die Borussia in der 2.Halbzeit ablieferte, weit entfernt von mesterlich gewesen sein. Was ebenfalls stimmt. Man könnte es natürlich auch andersherum sehen: langsam aber sicher entwickelt die Mannschaft bayerische Fähigkeiten. Sie tut nicht mehr als sie muß, und faährt damit sogar noch einen neuen Bundesliga-Rekord ein: 4 Spiele, 12 Punkte, kein Gegentor, das hat bislang noch niemand geschafft. Am nächsten Spieltag schlägt dann die Stunde der Wahrheit: die Bayern kommen. (Gerd Delle)  

AOL Hamburg - 1.FC Kaiserslautern   2:3
Dumm kickt gut 
Das vergnügungssüchtigen Pfälzer Jungvolk, das sich anstatt in Hamburg für ihren Verein zu schreien, lieber über das Kölner Ringfest schob, fraß, soff, in Hauseingänge pisste, dezent die Ecken voll kotze und Scooter zujubelte musste erfahren was die Tücken der Technik ausmacht. Das maldeite Handy brachte  wieder mal viel zu spät eine WAP-Verbindung zu Wege und so gelangten die Ergebnisse erst Stunden später in die bis dato benebelten Hirne. Was da ankam klang gut, zumindest das Ergebnis stimmte. Der Rest war egal; aber „egal“ ist „Lage“ von hinten und die Lage für die Pfälzer wird schlechter. Der HSV spielte einen derart desolaten Streifen in der ersten Halbzeit, dass die Tore der Pfälzer dadurch an Wert verloren. Dass die Hanseaten im Geschenke machten, dafür konnte der überragend spielende Brasilianer Lincoln nichts . Er schoss die Pfälzer mit seinen ersten beiden Bundesliga-Toren (18., 22.) in Führung. Das 3:0 erzielte Jeff Strasser (28.). In der zweiten Halbzeit gaben der HSV Gas und spielte eine Reihe guter Torchancen heraus. In der 56. Minute köpfte Nico-Jan Hoogma die Flanke Erik Meijers zum 1:3 ein. Acht Minuten Später erzielte Meijer, ebenfalls per Kopf, den Anschlusstreffer. Kippen konnten sie das Spiel jedoch nicht mehr. Nach dem spiel frohlockte Mario Basler: "Wir wollen Deutscher Meister werden, die Statistik spricht ja für uns." Welche Statistik? (Dona Mara)
Bayern München - FC St. Pauli  2:0
Sforza Bavaria  
Die Tabelle nach den ersten Spieltagen bietet öfters die fixe Spanne, den verehrten Versagerverein mal oben und die ewigen Gewinner unten zu sehen. Diese Saison ist leider kaum was gewesen von diesem Vergnügen. Nicht mal der FC Bayern ward korrekt gebeutelt, und das heilige Pauli an der Tabellenspitze?, -  weit gefehlt. Das Spiel der beiden Klassenfeinde verlief denn leider auch in allzu leicht vorhersagbarer Bahn. Die Heiligen, bang wie die Lämmer, waren scheint’s  froh nicht unter die Räder zu geraten. Der Gegner, Favorit und Antagonist, tat grad genug, um die Punkte sicher einzufahren. Der auffälligste Aspekt des Treibens: Das Spiel bot dem allseits eher ungeliebten und zuletzt heftig kritisierten C. Sforza die Gelegenheit, sich mit herausragender Darbietung sportlich zu rehabilitieren - wie es so schön ausgeleiert heißt. Sforza spielte groß auf, schoss ein Tor und bereitete das andere vor, konnte aber darüber hinaus wegen Bazi - typischer Schnöseligkeit nicht die geringste Zuneigung  gewinnen. Jetzt also halten sich beide Mannschaften schon früh in Tabellenregionen  auf, wo man sie auch am Ende der Saison erwartet. Irgendwie schad und fad. (Egon Zewe) 

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Ergebnisse

Bayern - FC St. Pauli  2:0

Wolfsburg - Freiburg  1:1

Hertha BSC - Cottbus  2:3

Nürnberg - Stuttgart  2:4

Bremen - 1860  1:3

Hamburger SV - Kaiserslautern  2:3  

1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach  0:2

Schalke - Leverkusen  3:3

Rostock - Dortmund  0:2

 

Hertha - Cottbus  2:3
Dortmund jagen
Sieh da, die Borussia bekommt einen ernsthaften Konkurrenten - und er heißt nicht Hertha, sondern Energie. Ede Geyers Truppe hat jetzt schon so viele Punkte wie im letzten Jahr nach der halben Vorrunde - und das nicht einmal unverdient. Wie sie die Berliner ausgekontert haben, das konnte sich wirklich sehen lassen, und daß sie in der Abwehr inzwischen sogar einigermaßen sicher stehen, bringt die Gurkentruppe spürbar nach vorn. Der Kanzler hat also im Nachhinein recht behalten: Energie ist eine echte Bereicherung der Liga - und wenn auch nur, um Hertha BSC zu schlagen. 

 
Köln - Gladbach  0:2
Not vs Elend
Das Ergebnis ist fast schon wie erwartet. Köln kann zuhause gegen Gladbach einfach nicht gewinnen. Neu war die Qualität des Spiels: Not gegen Elend hat unser Korrespondent Al Aaf ausgemacht. Mehr