19. Spieltag 1.-2.2.03

RAUM UND ZEIT

"Die Stuttgarter massieren sich in der eigenen Hälfte."
Sabine Töpperwien
 
Seit Monaten breiten sie sich jetzt aus: Die große, quälende Langeweile und das Unbehagen an der Tabelle. Und so das Gefühl eines enormen Wertemangels. Inzwischen wird die Öde eines Bundesligaspieltags nur noch von der Öde der nachfolgenden Berichterstattung übertroffen. Die Bayern und das Nichts.
 
Zeit also, mal woanders hinzuschauen. Was machen eigentlich unsere Vorzeige-Intellektuellen? Treffen sich in Weimar und labern über Fußball. Wie ich der FAS entnahm, war letztens Klaus Theweleit ("Männerphantasien") an der Reihe.
Seine Thesen: 1. Die Tabelle ist das erste Weltordnungssystem.
2. Die - allerdings nur spielerische - Überlegenheit der Holländer in den 70er Jahren hatte folgenden Grund: "Wer die Hälfte seines Landes dem Meer abringen musste, wird zum Experten in der Aufteilung des Raumes" (ein in seiner Lustigkeit nur noch von dem eines holländischen Biathlon-Kommentators übertroffener Satz. Der meinte einst zur Überlegenheit der BRD-Staffel: "Ja, das können sie, die Deutschen. Schießen und dann schnell in den Wald.")
3. In Zeiten der Globalisierung verschwinden die nationalen Unterschiede.
 
Also macht sich eine Philosophie der kleinen Fehler breit (was Trainer ja schon immer wussten): Eigentlich war Hamann Schuld am 0:1 im WM-Finale, bzw. Schiri Colina, denn der stand ihm unfreiwillig in der Laufbahn. Rivaldo hatte Platz, den Rest kennt man. So weit, so lustig. Schaut man sich aber mal das Inferno einer nationalen Liga an, speziell unserer hier, zu welchen Thesen muss man greifen? Dass Geld eben doch Tore schießt? Das ökonomischer Fußball das Gebot der Stunde ist? Dass Angst nicht Seele aufessen, sondern den Bayern die Schale in den Hintern schiebt?
 
Ja. Und ironischerweise wird trotz des Raumkapselabsturzes des Bezahlfernsehens von den hohlen Köpfen der Liga von einer Erweiterung ebenderselben auf 20 Clubs rumdeliriert. Der eh schon zähe Ligakäse also um aufregende Klassiker wie FC Bayern gegen Linksrechts Ahlen (wie das wohl ausgeht?) ins Fonduehafte verlängert. Wie schlimm wäre das? Und war es nicht eben noch so, dass sich alle beklagt haben, dass der Terminkalender so voll wäre? Gerade vor der WM?
 
Wie wäre es mit dem Gegenteil, Leute. Ich meine, die meisten Clubs werden bald eh das Zeitliche segnen. Nicht wegen der Tabelle, sondern wegen mafiöser Misswirtschaften. Also warum nicht gleich die Liga auf 16 Teams reduzieren, die überbackene Champignonsleague abschaffen, die kleinen Nationen mit ihren Miniaturligen sich fusionieren lassen (Synergieeffekte! Synergieeffekte!), Europa also schön in Zonen aufteilen und die je besten Zwei der insgesamt 8 Ligen ins große Endturnier um den goldenen Gral einladen? Und das dann "Amerikanisierung" nennen. Vielleicht kann so eine Geste der Verbundenheit und Freundschaft sogar Kriege verhindern. Überlegt's euch.

Gainsbourez 1.2.3

 

Zwei Worte "Fußball" und "Katastrophe" und die Google Bildsuche bringt folgendes Resultat:
 

 

 

mailto: headquarter@football-crazy.de

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Ergebnisse
Stuttgart - Hertha BSC 3:1

Bielefeld - FC Bayern 0:0

1860 - Hannover 0:1

Nürnberg - Rostock 0:1

Cottbus - Bochum 2:1

Schalke - K'lautern 2:2

Hamburg - Bremen 1:0

Dortmund - Leverkusen 2:0

M'gladbach - Wolfsburg :


Scheu wie Reh, aber stolz wie Ottmar!

So so, der Kleine hat sich also damals in der Schule nicht getraut, sich zu melden, weil er Angst hatte, ausgelacht zu werden, gab das trainierende Magengeschwür des langweiligsten Fußballvereins der Republik am Samstag im AS anläßlich der Buchpräsentation seiner Autobiografie preis.
Und Klassensprecher wollte er auch nicht werden. Und bei den zitierten poetischen Ausfällen des U. Hoeness ("Der Ottmar ist scheu wie ein Reh auf einer Lichtung, dass erst einmal in allen Richtungen nach Gefahr wittert, ...", Bambimetaphorik) hätte man meinen können, der Uli hege zärtliche Gefühle für den Ottmar.
Bei derartigen literarischen Anwandlungen kann man U. Hoeness aber nur raten: Metzger, bleib bei deiner Wurst! Als Zugabe gabs noch eine kleine Spielszene mit dem Ottmar als jungem Ottmar und dem Autor des Werkes, einem evangelischem Landpfaffen aus Südbaden, als Helmut Benthaus, zu der Zeit Trainer des FC Basel. Der junge Ottmar bewarb sich für ein Probetraining. Das hörte sich so an:
 
... Benthaus (salbungsvoll):"Ja, und schießt du denn auch Tore, mein Junge?"
Junger Ottmar (vorwitzig):"Jawohl, ich habe in 24 Spielen beim FV Lörrach 22 Tore geschossen!"
 
Und als man dann den Spielbericht VfB vs. Hertha mit den Stuttgarter Cheerleadern, einer Gruppe entsprechend gekleideter, naturbrauner Sambatänzerinnen eröffnete, wollte man das Ottmarchen wohl so richtig heiß machen und ihn an seine feurige brasilianische Rosi erinnern.
Was für Titten, was für Ärsche, nich, Ottmar? Die Leiden des jungen O.. Aber vielleicht zeigte man die Tänzerinnen ja auch nur wegen des Reporters Töpperwien, dem man schließlich eine Ersatzbefriedigung bieten muss, seitdem dieser nicht mehr auf ZDF-Kosten und damit mit unser aller Gebühren in den Puff darf.
 

 
Zu guter Letzt sei in puncto AS noch das nun darin integrierte ‚Wort zum Sonntag' lobend erwähnt, in dem der hochverehrte Michael (leider immer noch nicht auf der) Palme wieder einmal höchst ergreifend menschelte, als er zu bedenken gab, dass ein paar verkohlte Astronauten zwar schlimm seien, erst recht, wenn dabei schon wieder ein Jude verbrannt wurde, dies aber angesichts des tragischen Schicksals des Jens N., der jetzt vielleicht nie mehr seinem geliebten Ball hinterher rennen darf, doch sehr zu relativieren sei.
Die Truppe des Magengeschwürs schonte sich derweil am Samstag auf der Alm, vermutlich wollte sie sich für ihr Spiel des Jahres am kommenden Dienstag gegen die seit fast einem Jahr ungeschlagene Mannschaft des 1.FC Köln schonen.

Al Aaf, "2. 2. 3