2. Spieltag 17.-18.8.02

Pitter Neururer
Wo spielt die Musik?
Der Süden und die Hitze

Der Anfang einer Saison macht immer Spaß. Außenseiterclubs dürfen Punkte in der Rubrik "Tabellenführer" machen, Meisterschaftsmitfavoriten stehen am Ende der Tabelle, alles ist noch herrlich wirr und niemand weiß genau, wie die Leistungsgefälle eigentlich wirklich sind.
Der zweite Spieltag konnte dazu noch einen Unberechenbarkeitsfaktor einbauen: Es war scheiße heiß. Die Kartenbesitzer schwitzten vom Sitzen, die Fußballer bereiteten sich schon mal auf die WM 2010 in Südafrika vor, unsereins saß lieber auf dem Balkon, im Schatten, oder im Freibad. Mit dem Ohr am Radio.
Dass bei der Hitze die Südclubs traditionell im Vorteil waren, hat sich gezeigt. Der VfB Stuttgart schaffte einen Punkt in Berlin, 1860 gewann in Hannover (hätte bei Regen auch geklappt), einzig Nürnberg schwächelte rum. Vermutlich weil die Rostocker den Strand direkt vorm Stadion haben. Und sich noch schnell abkühlen waren, wo die Clubberer stur ihr "Aufwärmprogramm" herunter rissen. Folge: 2:0 für Hansa.

Sehnsucht nach Bergluft
Schlimm traf es auch die Alm-Öhis. Ostwestfalen in der Voralpenebene gegen brasilianisch verstärkte Bayern im Olympiastadion: Ein neues Synonym für Baden gehen. Und das ganz ohne Wasser. Besonders viel Spaß beim Planschen hatte Giovane Elber, der vier Tore schoss und sogar ein Tänzchen mit der Eckfahne wagte - vielleicht so was wie ein Bewerbungstanz um die Selecao. Schlecht war das nicht. Andererseits naht der Herbst, und Elber kann da lange tanzen, Brasilianer haben nördlich der Alpen keine Chance aufs Grün-Gelbe.
Sehr "Bielefeld bei den Bayern" waren auch die Cottbuser. Die können sich nämlich gleich das Geschehen von unten anschauen. Der VfL Bochum hingegen hat einen Dänen mit spanischem Pass und das nötige Sommerfeeling, um es diesmal wirklich klar zu machen mit der Tabellenführung. Um aber schnell mit kaltem Wasser zu kommen, sei gesagt: Ein Spanier macht noch keinen Sommer. Der Einsturz folgt, am Ende schaffen sie's aber, weil sie vom Vorsprung zehren können. So wie Lautern letztes Jahr.

Bayernhose
Was die Bayern drunter tragen dürfte die Ausbeulungen erklären

1.FC Klabautern oder Teufel in der Hölle
Womit wir beim Liebling der Saison wären: Die Männer vom Rhetorikgenie und besten WM-Spieler 1994, die Hopptopps aus der Pfalz. "Dings" spielte mit, steigerte sich aber nicht mehr in der zweiten Halbzeit, statt dessen ging der FCK gegen 10 starke Schalker unter. Die indes haben ihren Memmenfaktor nach Berlin geschickt und können sich auf ihre Heimstärke verlassen - ein heißer Schalenkandidat. Echt jetzt.
Für Lautern jedoch beginnt die heiße Phase erst: Schön kollegial und mediengerecht wurde Aufsichtsratchef Friedrichs via Zweitligasender abgeschossen, Brehme könnte trotz Noteinkauf Sforza schnell folgen. Oder das ganze Team.

Zoo Wolfsburg
Dazu, dass der Tiger jetzt unter Wölfen weilt, schreiben wir erstmal nichts. Aber einen Tipp für das Tierheim der Käferstadt haben wir noch: Schnell noch Zecke einkaufen und ein, zwei Löwen holen. Dann wird's so richtig lustig im Bau.

Immer wieder Sonntags
Peter durfte sich feiern lassen, gerade eben in "ran", denn der HSV hat das 7:0 in Bremen knapp verpasst. Der VfL Bochum darf Plakate & T-Shirts mit der WAZ-Bundesliga-Tabelle drucken lassen. Lispel-Peter fühlt sich also wohl in der daumlosen Liga, kein Wunder nach all der Ahlen-Tristesse, die er hinter sich hat. Vielleicht wird ja ein zweiter Töppi aus ihm.
Gar nicht zum Feiern war Riesenbaby Ailton, er durfte sich das grün-weiße Treiben lange von der Schulbank aus angucken. Seine späte Einwechslung brachte auch nichts: Das 2:2 Romeos - immer wieder im ersten Spiel bestraft - wurde nicht gegeben. Auch der Ex-Tigerentenclub aus Mädchengladbach hatte beim TSV Wolfsburg nichts zu lachen und schenkte dem Tierheim ein Tor und drei Punkte.
So weit, so trist: Immer wieder sonntags ist die Langeweile am größten; das Radio nervt mit Waschmittelmusik und Landunter-Berichterstattung und ran, ja, ran: nervt mit Werder-Wonti, Wolfsburg und Werbung.
Wie schön war die Zeit, damals, als es nur Zweitligafußball gab Sonntags, und der ab 15.00 Uhr. Mit Union Solingen, der Viktoria Aschaffenburg, Holstein Kiel, Fortuna Köln und dem SV Werder Bremen. Das waren noch Zeiten!

Gainsbourez, Sun City 18.8.02

 

mailto: headquarter@football-crazy.de

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Ergebnisse
Bochum - Cottbus 5:0

FC Bayern - Bielefeld 6:2

Leverkusen - Dortmund 1:1

Hertha BSC - Stuttgart 1:1

Hannover - 1860 München 1:3

K'lautern - Schalke 1:3

Rostock - Nürnberg 2:0

Wolfsburg - M'gladbach 1:0

Bremen - Hamburg 2:1


RESPEKT Andy!

Communication Breakdown

Aus aktuellem Anlaß hat FCK-Trainer Mingding die angekündigte Aufstellung noch einmal geändert: Neuzugang Dingspol sollte als "ruhiger Pol" für Stabilität in der Abwehr sorgen. Folgendermaßen lief also der FCK auf dem Betzeberg auf: 1:Dings; 2: Dingens; 3:Dingsda; 4:Dingspol; 5:Dingsbums; 6:Dingensbums; 7:Bumsdings; 8:DaDingz; 9:Dingming; 10:Dingsrechts; 11:Dingslinks. Verteidiger Dingenskirchen mußte auf der Bank Platz nehmen (irgendjemand in der Opposition hatte allemal bemerkt, daß, wer mit Dingenskirchen aufläuft, sowieso absteigt).
Weiterhin auf der Bank: Dingdong; Dingeling; Klingeling. Genützt hat es, wie man unschwer am Ergebnis erkennen kann - nichts.
Der berühmte FCK-Fan und Rhetorikprofessor Walter Dingsjens stellte nach dem Spiel besorgt fest, daß es wohl ein größeres Kommunikationsproblem innerhalb der Mannschaft gebe: da sich alle der Einfachheit halber mit Dings anreden, käme es vor, daß einzelne Spieler zu spät bemerke, daß das Kommando des Kollegen ihm gelte.
Bestes Beispiel war Torhüter Dings, der zu spät erkannte, daß ihm Dingspol das Kommando zum Herauslaufen zurief. Böse Folge: er kam zu spät heraus, rannte den Schalker Stürmer im Strafraum um, was einen Elfmeter zur Folge hatte.
Trainer Mingding nahm die Anregung von Professor Dingsjens dankend an und verkündete, daß ab sofort beim FCK zwei Rufnamen für die Spieler eingeführt würden: 1. Dings (für die Abwehr), 2.Bums (für den Sturm).

Gerd Delle