23. Spieltag 1.-2.3.03

Düstere Zeiten
Götzendämmerung

Oli Kahn hält seine Bude sauber. Das ist die Hauptsache. Dass seine schwangere Ehefrau zu Hause sitzt und heult, während ein blondes Dummchen mit Gartenschlauch im Privatfernsehen posiert und als Olis Neue, oder Olis Neben, oder Olis Eigentor gehandelt wird: Egal. Ein Skandal macht noch keinen Gegentreffer.

Denn die Zeiten des FC Hollywood sind vorbei. Nicht eine kleine Schlammschlacht, die von den Fiktionären der Käseblätter angezettelt wird, kann das Geschehen auf dem grünen Viereck mehr betrüben. Ballaballack macht den Motzki und kriegt Strafe (Tafelputzen und Kakaogeld zahlen)?: Gut, anschließend macht er zwei Tore und entscheidet das Spiel. Deisler ist eigentlich ein Krüppel und sollte in eine Wehrdienstverweigerer-Auswahl gestellt werden? Nee, nee, Deisler ist fit wie Joghurt und überzeugt mit Vorlagen. Sämtliche Machtmonster der Führungsetage, die gesamte Patentafel hängt ihre Libido in zwielichtigen Discotheken aus und lässt sich mit Ersatzbankludern erwischen? Macht gar nichts. Der FC Bayern hat 10 Punkte Vorsprung vor Borussia Dortmund – die sich vergeblich bemühen, ein wenig Südamerika-Klischee anzustrengen (L’Amoroso: faul, unpünktlich, divenhaft). Ein gigantisches Schiebergeschäft italienischen Ausmaßes mit einem bankrotten Mediengeschäft fliegt auf? Hey, Peanuts! Die Liga sind wir!

Sollte der Ostblock zerfallen, weissagte einst Marcuse, kann man sich schon mal auf 400 weitere Jahre Kapitalismus freuen. Im Fall vom FC Bayern heißt das: Die nächsten 18 Meisterschaften finden in den nächsten zwei Dekaden statt. Ab und an darf mal Dortmund, vielleicht auch mal Schalke oder Stuttgart, so als kleines Zugeständnis, ein bisschen Show muss sein.

Kurzum: Schlamm hilft nicht. Vielleicht sollte man es mal mit Lob probieren. Vielleicht macht das die Kicker vom Münchener Eliteklub ja eher unsicher – und die Meisterschaft wieder spannend.

Gainsbourez 3.3.3

 

 

mailto: headquarter@football-crazy.de

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Ergebnisse
Cottbus - Bayern 0:2

Nürnberg - Wölfe 1:1

1860 - Lautern 0:0

Hamburg - Hertha 1:0

Bochum - Hannover 1:2

M'gladbach - Schalke 2:2

Leverkusen - Werder 3:0

Dortmund - Hansa 2:0

Bielefeld - VfB 0:1

Lehfrau

Zettels Traum

Eine weitere traurige Nachricht erreicht uns aus Mönchengladbach. Ein 2:2 gegen Schalke als Endspiel für den letzten der großen Ostrenitenzler, Herr Meyern, der besagte Hobbyjournalisten noch als lästige Fliegen und rhetorisch wie intellektuell unterlegenes Geschmeiß dastehen lassen konnte. Vielleicht dachte er sich auch: Bevor hier Betriebsmannschaftsgeklüngel überhand nimmt oder im nächsten Jahr die Walter-Jens-Schüler vom DSF warten, lege ich mich lieber in die Filzpantoffeln und mache auf Heimatfilm. Zack, wird die Familie ins Bild geschoben: Wollte ich mich ja schon immer drum kümmern, heißt es dann. Zurück zu den Wurzeln darf jetzt Lienens Ewald und seinen Traum vom Trainerstuhl beim Lieblingsverein träumen. Wenn er sich da nicht mal verzettelt (Kölner Empirie: Erst absteigen, dann bravorös wieder aufsteigen, eine Saison halten und kurz vor dem Wiederabstieg das Zeitliche segnen. Ende des Traums).

Was gabs sonst noch in der Liga? Thomas Hörster Trainergott? Ach, sagen wir: lieber nichts.

Gainsbourez 3.3.3