Klar,
der FC Bayern München spielte in dieser Saison in einer eigenen
Liga. Europäisch ausgebootet, legte man kurz mal eine Serie von
Unschlagbarkeit im Namen der Effizienz hin. Kein Showdown um die
Schüssel, hieß der Auftrag, zumindest daheim klarmachen, wie die
Rumkugel läuft. Und es war einfach: Ein brachiales Rumgewurschtel
mit Schiri-Hilfe (2:1 gegen Dortmund) und ein brutalstmögliches
Ausnützen der Dummheit anderer reichte, um sich ein Punktepolster
zu schaffen, das für vier bis fünf Meisterschaften gereicht hätte.
Kein
Neid, kein Mitleid. Die Bayern haben die Meisterschaft verdient.
Trotzdem ist es an der Zeit, zu klären, wieso die Ballettkicker
mit Telefonsponsor sowas wie das Negativ der Liga darstellen. Man
muss sich nur ihre Meisterschaften ab 1985 anschauen, um zu
wissen, wie es geht: Die Bayern werden dann Meister, wenn die
anderen zu schlecht sind. Und in dieser Saison war die Konkurrenz
besonders übel – oder kann jemand erklären, warum der VfB
Stuttgart um Championsleague-Plätze spielt?
Da
wäre erstmal der Titelverteidiger aus Dortmund. Die letztes Jahr
dank DFB, Bayern-Menopause und Leverkusener Dauerpsychosen Meister
geworden sind. Dabei haben die Dortmunder eine namhafte Truppe
zusammengekauft, Routiniers (Reuter, Wörns), junge Wilde (Frings,
Metzelder), Brasilien-Glam (Amoroso), Strafraum-Ungeheuer
(Koller): Und trotzdem – und trotz des bärbeißigen Sammers -
eine an Schlaffheit kaum zu überbietende Truppe. Gelegentlich
wurden Pflichtsiege zusammengekickt, aber in den entscheidenden
Momenten konnte auch die Lieblingsvokabel aller
Feiglingstheoretiker, „Effizienz“, nicht mehr herhalten: Man
nehme nur die Niederlagen gegen die Bayern (nach 1:0-Führung nur
noch armseliger Fußball) oder den SV Werder: typisch. So einer
Mannschaft wünscht man das verdiente Landen im UEFA-Cup und ein
Aus in der dritten Runde gegen ein Ostblockteam. Oder kann sich
jemand an ein RICHTIG GEILES SPIEL der Borussen erinnern?
Fall
2: Leverkusen. Die Hoffnungsträger der Ästheten, das beschlagene
Team mit zuweilen genialen Spielern (Schneider, Neuville) und
gestandenen Recken (Ramelow, Nowotny). Klar wurde diese Saison
bereits in der letzten entschieden: in Nürnberg, beim 0:1. Die
kontinuierlich seelisch gestörte Mannschaft mit hellen Momenten
(Hölderlin? Nietzsche?) befindet sich logisch im Abstiegskampf.
Es gibt viele, die dem Club den Abstieg gönnen (von Köln-Fans
bis zu „Werksmannschaft“-„Pillenclub“-Beschimpfern). Ich
aber mag sie: Göttliches Scheitern, menschliche Schlamassel,
dieser Verein ist Kunst. Selbst wenn es sie erwischen sollte: Sie
werden nichts weniger als die Titanic der Liga sein (schade nur,
dass Ballack nicht mehr dabei sein kann – mit einem Selbsttor im
letzten Spiel).
Drittens:
Der FC Schalke 04. Ähnlich traumatisiert wie Leverkusen, mit
einer ähnlich geilen Truppe (Möller! Böhme! Agali! Sand! Mpenza! usw.) ausgestattet, und trotzdem immer
zwischen Hömmel und Hille unterwegs. Und warum? Ich dachte ja
auch, es läge am Trainer: Stevens strickte in Berlin auch gleich
lustig weiter am Waschlappen (inzwischen hat er wenigstens den
Schalke-Standard der letzten Jahre erreicht). Aber der wahre Grund
für Schalkes Pendeln zwischen Hurra und Gotthilf heißt wohl
Zigarren-Assi. Was sollte denn der überaus dröge und damit
ewigideale Werderaner Neubarth im Pott? Und was kam danach? „Die
Mannschaft ist der Star“ – und Kampfschwein Wilmots der
Teamchef? Übermächtige Manager – siehe Callmund, siehe den
inzwischen in Hintergrund getreten wordenen U. Hoeness – sind
der Untergang für jeden Trainer und somit dauerhaft auch für die
Mannschaft. Vielleicht könnte jemand wie Daum helfen. Und etwas
Psychoanalyse. Oder ein paar komische Frauengeschichten.
Gainsbourez
26.4.3