30. Spieltag 26.-27.4.03

25-Jahr-Jubiläum der letzten FCB-Meisterschaft (2028)
Glückwunsch, Bayern!

Klar, der FC Bayern München spielte in dieser Saison in einer eigenen Liga. Europäisch ausgebootet, legte man kurz mal eine Serie von Unschlagbarkeit im Namen der Effizienz hin. Kein Showdown um die Schüssel, hieß der Auftrag, zumindest daheim klarmachen, wie die Rumkugel läuft. Und es war einfach: Ein brachiales Rumgewurschtel mit Schiri-Hilfe (2:1 gegen Dortmund) und ein brutalstmögliches Ausnützen der Dummheit anderer reichte, um sich ein Punktepolster zu schaffen, das für vier bis fünf Meisterschaften gereicht hätte.

Kein Neid, kein Mitleid. Die Bayern haben die Meisterschaft verdient. Trotzdem ist es an der Zeit, zu klären, wieso die Ballettkicker mit Telefonsponsor sowas wie das Negativ der Liga darstellen. Man muss sich nur ihre Meisterschaften ab 1985 anschauen, um zu wissen, wie es geht: Die Bayern werden dann Meister, wenn die anderen zu schlecht sind. Und in dieser Saison war die Konkurrenz besonders übel – oder kann jemand erklären, warum der VfB Stuttgart um Championsleague-Plätze spielt?

Da wäre erstmal der Titelverteidiger aus Dortmund. Die letztes Jahr dank DFB, Bayern-Menopause und Leverkusener Dauerpsychosen Meister geworden sind. Dabei haben die Dortmunder eine namhafte Truppe zusammengekauft, Routiniers (Reuter, Wörns), junge Wilde (Frings, Metzelder), Brasilien-Glam (Amoroso), Strafraum-Ungeheuer (Koller): Und trotzdem – und trotz des bärbeißigen Sammers - eine an Schlaffheit kaum zu überbietende Truppe. Gelegentlich wurden Pflichtsiege zusammengekickt, aber in den entscheidenden Momenten konnte auch die Lieblingsvokabel aller Feiglingstheoretiker, „Effizienz“, nicht mehr herhalten: Man nehme nur die Niederlagen gegen die Bayern (nach 1:0-Führung nur noch armseliger Fußball) oder den SV Werder: typisch. So einer Mannschaft wünscht man das verdiente Landen im UEFA-Cup und ein Aus in der dritten Runde gegen ein Ostblockteam. Oder kann sich jemand an ein RICHTIG GEILES SPIEL der Borussen erinnern?

Fall 2: Leverkusen. Die Hoffnungsträger der Ästheten, das beschlagene Team mit zuweilen genialen Spielern (Schneider, Neuville) und gestandenen Recken (Ramelow, Nowotny). Klar wurde diese Saison bereits in der letzten entschieden: in Nürnberg, beim 0:1. Die kontinuierlich seelisch gestörte Mannschaft mit hellen Momenten (Hölderlin? Nietzsche?) befindet sich logisch im Abstiegskampf. Es gibt viele, die dem Club den Abstieg gönnen (von Köln-Fans bis zu „Werksmannschaft“-„Pillenclub“-Beschimpfern). Ich aber mag sie: Göttliches Scheitern, menschliche Schlamassel, dieser Verein ist Kunst. Selbst wenn es sie erwischen sollte: Sie werden nichts weniger als die Titanic der Liga sein (schade nur, dass Ballack nicht mehr dabei sein kann – mit einem Selbsttor im letzten Spiel).

Drittens: Der FC Schalke 04. Ähnlich traumatisiert wie Leverkusen, mit einer ähnlich geilen Truppe (Möller! Böhme! Agali! Sand! Mpenza! usw.) ausgestattet, und trotzdem immer zwischen Hömmel und Hille unterwegs. Und warum? Ich dachte ja auch, es läge am Trainer: Stevens strickte in Berlin auch gleich lustig weiter am Waschlappen (inzwischen hat er wenigstens den Schalke-Standard der letzten Jahre erreicht). Aber der wahre Grund für Schalkes Pendeln zwischen Hurra und Gotthilf heißt wohl Zigarren-Assi. Was sollte denn der überaus dröge und damit ewigideale Werderaner Neubarth im Pott? Und was kam danach? „Die Mannschaft ist der Star“ – und Kampfschwein Wilmots der Teamchef? Übermächtige Manager – siehe Callmund, siehe den inzwischen in Hintergrund getreten wordenen U. Hoeness – sind der Untergang für jeden Trainer und somit dauerhaft auch für die Mannschaft. Vielleicht könnte jemand wie Daum helfen. Und etwas Psychoanalyse. Oder ein paar komische Frauengeschichten.

Gainsbourez 26.4.3

 

 

mailto: headquarter@football-crazy.de

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Ergebnisse
Wölfe - Bayern 0:2

Schalke - VfL 1:2

1860 - BVB 0:0

HSV - Club 4:0

Hertha - Hannover 2:0

M'gladbach - Leverkusen 2:2

Lautern - Werder 3:0

VfB - Hansa 1:1

Bielefeld - Cottbus 0:1

Abwärts, bitte

Tschüss (2)

Die Clubberer dürfen wieder gegen Fürth spielen
 
1968 wurden sie Meister, zum neunten und bislang letzten Mal, 1969 stiegen sie ab. Seitdem darf die ehemalige Reichsvorzeigetruppe (die Fanfreundschaft mit Schalke kommt nicht von ungefähr) eine Fahrstuhlexistenz fristen. Zwar ist heuer noch alles möglich – zum rettenden Ufer des Gladbachs sind's nur 4 Meter und im letzten Spiel geht’s gegen Leverkusen – dennoch winke ich jetzt schon leise Servus. Denn egal, welche Wunder noch geschehen, verdient hätten sie’s allemal. Biederster Zweitliga-Fußball, nur noch von Wolfsburg, Hannover und Rostock übertroffene Langweiligkeit sowie die unfähigste Abwehr der Liga: Da muss es sie einfach erwischen. Und das läge nicht mal am Trainer, eher an Clubführung und Management. Also, Tschüss, Nürnberg, es war nicht schön mit euch. Nächstes Jahr dürft ihr wieder im Playmobilstadion gegen die Grünen die Schlachten der 20er-Jahre nachspielen.

Aber, ach! Was lesen meine trockenen Augen? Fürth schlägt Freiburg 4:0 und will aufsteigen? Soll der Club doch in der Liga bleiben? Aber: Wer steigt neben Cottbus und Leverkusen dann ab? Wolfsburg, Hannover oder Rostock! Hand drauf, Auge!

Gainsbourez 26.4.3